Der Fluss
Der River Owenabue (irisch: Abhainn na Baoi, manchmal auch Owenboy geschrieben) fließt auf rund 32 km – 20 Meilen – von seiner Quelle nördlich von Crossbarry ostwärts bis zum Cork Harbour und erreicht bei Crosshaven das Meer. Ein spektakulärer Fluss ist er nicht, und das Tal ist keine Wildnis: Hier südlich von Cork City liegt bewirtschaftetes Farmland und Pendlerland, mit Carrigaline als größtem Ort, 12 km von der Stadt und 5 km von Ringaskiddy und dem Flughafen Cork entfernt. Was das Tal zu bieten hat, ist eine Kette von Dörfern am Wasser – Halfway, Ballinhassig, Ballygarvan, Ballea und Carrigaline –, eine Reihe alter Steinbrücken und so viele Reiher und Otter, dass der Reiher zum inoffiziellen Wahrzeichen des Tals geworden ist. Die Ballade „Carrigdhoun“ aus dem 19. Jahrhundert, verfasst von Denny Lane, nimmt den Owenabue als Bild für die Heimat.
Wo du wandern kannst
Wenn du nur eine richtige Wanderung machst, dann den Currabinny Forest: ein Waldweg direkt östlich von Carrigaline, der zum Hafen hin abfällt und dir auf einer kurzen Runde das Beste aus dem Tal zeigt. Ansonsten ist das Tal weniger eine markierte Route als eine Ansammlung von Uferpfaden und ruhigen Straßen, die du dir Dorf für Dorf zusammensuchst; einen offiziell ausgeschilderten „Talweg“ gibt es nicht, also nimm es als Gegend zum Streifen und nicht als Strecke, die man von Anfang bis Ende abhakt. Ballinhassig und Carrigaline eignen sich beide gut als Ausgangspunkt für eine kurze Runde, und für die Vögel ist der frühe Morgen am besten, wenn das Wasser noch still liegt.
Ein paar praktische Hinweise:
- Zieh festes Schuhwerk an; die älteren Brücken und Uferpfade sind uneben und nach Regen rutschig.
- Nimm ein Fernglas mit, für Reiher, Eisvögel und Otter an den Ufern.
- In Mündungsnähe bei Crosshaven solltest du die Gezeiten im Blick behalten, denn bei hohen Springfluten stehen die niedrigen Uferwege unter Wasser.
Geschichte am Wasser
Für einen so stillen Fluss tragen die Brücken erstaunlich viel Geschichte. Der Übergang bei Crossbarry liegt nahe beim Denkmal für Tom Barrys fliegende Kolonne, die hier im Unabhängigkeitskrieg ein berühmtes Gefecht führte. Bei Ballinhassig zog Mountjoys Armee über die Straße Richtung Kinsale und zur entscheidenden Schlacht von 1601. In Ballygarvan sah Fivemilebridge 1689 James II. vorbeiziehen und 1690 noch einmal, auf dem Rückzug nach der Schlacht am Boyne. Ballea Bridge, daneben eine mittelalterliche Burgruine, steht am alten Anwesen von Denny Lane, das „Carrigdhoun“ seinen Namen gab. Der letzte Übergang, bei Carrigaline, öffnet sich zur Flussmündung, einst Heimat des Royal Munster Yacht Club, bevor dieser mit dem Royal Cork fusionierte.
Essen, Trinken und eine Galerie
Das Tal setzt auf regionale Küche: In den Dörfern verteilen sich Bord-Fáilte-registrierte Gästehäuser und Ferienwohnungen, und die Restaurants leben von Meeresfrüchten aus dem Hafen, Rindfleisch und Käse aus der Gegend. Der eigentliche Grund für einen Abend hier sind aber die Pubs: In mehreren gibt es Trad- und Folk-Sessions, die allerdings selten angekündigt werden – frag also vor Ort nach, an welchem Abend gespielt wird, statt auf gut Glück aufzukreuzen. An der Brücke in Carrigaline zeigt die Owenabue Arts Collective Gallery Malerei, Schmuck und Keramik von Künstlerinnen und Künstlern aus der Region.
Praktische Informationen
Das Tal besteht aus offener Landschaft und Dörfern, ist frei begehbar und hat keine festen Öffnungszeiten. Die N71 und die R632 verlaufen über weite Strecken parallel zum Fluss, du kommst also mit dem Auto leicht von Dorf zu Dorf, und Parkplätze gibt es in den Orten meist auch. Bus Éireann fährt die Dörfer im Tal von Cork aus an, aber prüfe vorher die aktuellen Linien und Fahrzeiten, bevor du dich darauf verlässt. Von Crosshaven aus verbindet die Hafenfähre nach Cobh.
Im Frühling blühen die Ufer und die Vögel singen; der Sommer ist die Zeit für Pubmusik und Tische im Freien; im Herbst färben sich die Hänge golden. Wenn dich die flachen Becken bei Ballinhassig reizen, in denen Einheimische schwimmen, prüfe zuerst den Wasserstand und geh nicht allein hinein, denn der Fluss steigt nach Regen schnell an.