Überblick
Das Dorf Cloyne (irisch: Cluain Uamha, „Wiese der Höhlen“) liegt in einem breiten, fruchtbaren Tal im Osten von County Cork, rund zehn Autominuten von Midleton entfernt. Ein ruhiger Ort mit farbig getünchten Cottages und einer Handvoll Pubs – und doch trägt er für seine Größe eine ungewöhnliche historische Last: einen über tausend Jahre alten Rundturm, eine Kathedrale, die mit einem der schärfsten Denker der Aufklärung verbunden ist, und den Geburtsort eines Hurlers, der für die Einheimischen schlicht der Beste war, den es je gab. Das meiste davon liegt nur wenige Gehminuten auseinander.
Der Rundturm und der Dolmen
Die Geschichte reicht hier weit zurück. Westlich des Dorfes zählt ein 4.000 Jahre alter Dolmen zu den deutlichsten Spuren prähistorischer Besiedlung in diesem Teil von Cork. Im 6. Jahrhundert gründete St Colman Mac Léníne ein Kloster, die Keimzelle der Diözese Cloyne. Das herausragende Wahrzeichen ist jedoch der Rundturm: aus dem 10. oder 11. Jahrhundert, etwa 30 Meter hoch und einer von nur noch zwei erhaltenen in der Grafschaft. Ein Blitzschlag riss ihm 1749 die kegelförmige Spitze ab, doch der Schaft aus Kalkstein prägt die Silhouette bis heute.
Lange gehörte der Turm zu den wenigen Rundtürmen Irlands, die man tatsächlich besteigen konnte. Derzeit ist er wegen der Versicherungskosten für die Öffentlichkeit geschlossen, du kannst ihn also vorerst nur von außen auf dich wirken lassen – was ihm, ehrlich gesagt, ohnehin am besten steht.
Die Kathedrale und George Berkeley
St Colman’s Cathedral (Church of Ireland) wurde 1250 erstmals gegründet und ist seither ununterbrochen in Gebrauch. Schlicht im Erscheinungsbild, schwergewichtig in ihren Bezügen. Ihr berühmtester Bischof war George Berkeley, der anglo-irische Philosoph, der den Bischofssitz von 1734 bis 1752 innehatte und nach dem die Stadt Berkeley in Kalifornien benannt ist. Vor Ort erinnerte man sich an ihn als tatkräftigen Seelsorger, der die Kranken selbst besuchte; darüber hinaus stellte sein Werk das Denken der Aufklärung über Wahrnehmung und Wirklichkeit auf den Kopf. In der Kathedrale liegt auch das Grab von Bischof John Brinkley, zu seiner Zeit ein Astronom von Rang.
Einen Haken hat die Besichtigung des Innenraums allerdings: Die Kathedrale hat keine festen Öffnungszeiten, hinein kommst du, indem du tagsüber vor Ort den Schlüsselhalter ausfindig machst. Das Kirchenschiff ist über eine Rampe erreichbar. Ganz in der Nähe hält die katholische St Colman’s Church (1815) täglich Messe, auch wenn die Prokathedrale der katholischen Diözese inzwischen drüben in Cobh steht.
Höhlen, Burgen und lokale Überlieferung
Der Name Cluain Uamha verweist auf den Kalkstein unter dem Talboden, der von einem Netz aus Höhlen durchzogen ist. Die örtliche Überlieferung setzt der Geologie eine hübsche Geschichte hinzu: einen geheimen unterirdischen Gang, der von Cloyne House zum katholischen Friedhof geführt haben soll und in der Zeit der Penal Laws – der antikatholischen Strafgesetze – als Fluchtweg gedient habe. Wie viel davon Tatsache ist und wie viel Volksgedächtnis, dafür legt niemand die Hand ins Feuer.
Kurz außerhalb des Dorfes lag mit Castle Mary der Sitz der Familie Longfield, ein Herrenhaus aus dem 17. Jahrhundert, nahe dessen Obstgarten sich die Reste eines Druidenaltars finden. Es war zudem zeitlebens das Zuhause von Cynthia Longfield, der Entomologin und Forschungsreisenden, die für ihre Arbeit über Libellen bekannt ist.
Christy Ring und die GAA
Cloyne ist der Geburtsort von Christy Ring, der weithin als einer der größten Hurler aller Zeiten gilt. Seine Statue steht an der Chapel Street, und die Bilanz darunter lohnt einen Moment: acht All-Ireland-Titel bei den Senioren und achtzehn Railway-Cup-Siege mit Munster. Der örtliche GAA-Club läuft noch immer in Rot-Schwarz gestreift auf, und Hurling bleibt der rote Faden, der sich durch das Dorfleben zieht.
Praktische Informationen
- Anfahrt: Cloyne liegt etwa 25 km östlich von Cork City und zehn Minuten von Midleton entfernt an der R630. Ein Bus ab Cork City (etwa die Linie 240) braucht rund eine halbe Stunde.
- Parken: kostenlose Parkplätze am Straßenrand im Ortskern; die Plätze am Rundturm sind an Sommerwochenenden schnell belegt.
- Zugang: Rundturm und Kathedrale sind von außen jederzeit zu sehen. Das Turminnere ist geschlossen. Für den Innenraum der Kathedrale musst du tagsüber vor Ort den Schlüsselhalter finden.
- Eintritt: Die Wahrzeichen im Freien und die Spaziergänge sind kostenlos.
- In der Nähe: Die Strände von Shanagarry, Garryvoe und Ballycotton liegen alle nur eine kurze Fahrt entfernt, ebenso die Jameson Distillery Midleton.
Mach den Schlüsselhalter der Kathedrale ausfindig, bevor du fest mit einer Besichtigung rechnest – feste Öffnungszeiten gibt es nicht, und es ist die eine Tür hier, für die du jemanden zum Aufsperren brauchst.