Überblick
Inniscarra Lake ist gar kein natürlicher See: Es ist ein Stausee, der einen Abschnitt des Lee-Tals flutete, als die ESB den Fluss in den 1950er-Jahren aufstaute – und der sich seither zu einem der besten Friedfischgewässer des Landes entwickelt hat. Der See bedeckt 530 Hektar am Nordufer des River Lee, in der Pfarrei Inniscarra (irisch: Inis Cara), rund 15 km westlich von Cork City. Von der Stadt aus ist er für einen halben Tag am Wasser schnell erreicht, und ehrlich gesagt: Wer nicht angelt, findet den Reiz eher überschaubar – hübsche Landschaft zwar, aber eben Zweckbau statt Postkartenidyll.
Der Damm und die Geschichte der Gegend
Der River Lee entspringt bei Gougane Barra und windet sich ostwärts durch Berge und Flachland, bevor er unterhalb von Cork Harbour ins Meer mündet. Mitte der 1950er-Jahre staute ihn das Electricity Supply Board an zwei Stellen auf, bei Carrigadrohid und bei Inniscarra, und flutete das Tal, um Wasser für die Stromerzeugung zu speichern. Der Inniscarra Dam wurde 1957 fertiggestellt; sein Kraftwerk leistet 9 MW, das kleinere flussaufwärts bei Carrigadrohid 4,5 MW. Passenderweise war Inniscarra die erste Pfarrei in County Cork, die Strom bekam. Die Betonmauern und Überläufe setzen einen schroffen Kontrapunkt zu den Feldern und Wäldern, die bis ans Wasser hinabreichen. Wie das Tal geflutet wurde, hat Seamus O’Donoghue in seinem Buch The Flooding of the River Lee festgehalten, und Filmaufnahmen der ESB dokumentieren den Wandel.
Seinen Ruf als Angelrevier bekam der See in den 1970er-Jahren. Der örtliche Angelpionier Noel Hackett, zuvor bei der Fischereibehörde in Macroom, setzte 1973 Brachsen im Stausee aus. Diese eine Entscheidung veränderte die Ökologie des Sees und machte ihn zum Friedfischgewässer; manchen Berichten zufolge breiteten sich die Brachsen nach einem Besatz im Jahr darauf von Carrigadrohid flussabwärts aus.
Angeln am See
Inniscarra Lake gilt weithin als das Herz des Friedfischangelns in County Cork. Das Gewässer beherbergt starke Bestände an Brachse, Rotfeder, Rotauge, Barsch, Schleie, Karpfen, Gründling und Aal, dazu Hecht überall im See und Forellen rund um Roovesbridge. Brachsenfänge übersteigen regelmäßig 100 lb, und die Hechte sind besonders bei den Abendzügen rund um Rooves Bay aktiv. Der See war schon Austragungsort der National Pike Angling Championships, bei denen Angler Tagesfänge von bis zu 250 kg verzeichneten.
Die 40 km lange Uferlinie bietet zahlreiche Zugänge, auch wenn Bedingungen und befischbare Abschnitte je nach Jahreszeit und Wasserstand schwanken. Beliebte Stellen sind:
- Carrigadrohid & Castle Bridge: Stark bei Brachse, Hecht, Barsch und Rotfeder.
- Sally’s Hole & Garden Centre: Lieblingsplätze für Schleie und Karpfen.
- Cemetery Fields & Innisleena: Verlässliche Fänge von Brachsen und Hybriden.
- Rooves Bridge & Rooves Bay: Erstklassiges Revier für Hecht und Aal, vor allem nach Einbruch der Dunkelheit.
- Concrete Jetty & Pumping Station: Zuverlässig für Hecht- und Aalangeln.
- Farran Forest Park & Walshstown: Gutes allgemeines Friedfischangeln mit Karpfen und Schleie.
Eine gültige Angelerlaubnis ist für alle Angler Pflicht. Erhältlich ist sie in O’Callaghan’s Bar in Coachford oder online unter permits.fishinginireland.info. Es gilt durchgehend Catch and Release, und im Umkreis von 150 m um die Dämme ist das Angeln untersagt – achte also auf die Beschilderung, bevor du dich einrichtest. Angelgeschäfte in den umliegenden Dörfern führen Ausrüstung, und am besten beißt es in der Regel früh am Morgen oder am späten Nachmittag.
Wandern & Landpartie
Bekannt ist der See vor allem fürs Angeln, doch sein Ufer und das umliegende Tal geben eine friedliche Kulisse zum Wandern und Radfahren ab. Ein Netz von Pfaden folgt dem Wasser und steigt in die angrenzenden Hügel hinauf, mit immer neuen Blicken auf den Stausee und die Anlagen der ESB. Der Abschnitt rund um Rooves Bridge und Coachford öffnet weite Ausblicke über das Tal, besonders reizvoll im weichen Licht des frühen Morgens.
Nah am Wasser ist das Gelände meist flach, Richtung Damm steigt es sanft an. Achtung: Am Seeufer selbst gibt es weder Wegmarkierungen noch Hinweisschilder – lade dir also eine Offline-Karte herunter oder präge dir markante Punkte ein, bevor du losgehst. Wer es lieber strukturierter mag: Der Farran Forest Park am Südufer hat markierte Naturlehrpfade und einen Abenteuerspielplatz mit Seilrutschen, Orientierungslauf und Ruderbooten, und der Ballincollig Regional Park flussabwärts bietet vier Wege für unterschiedliche Nutzergruppen, darunter den Military Trail; Hunde sind an der Leine erlaubt. Eine kurze Fahrt nach Norden bringt dich zu Blarney Castle und seinen Gärten – Abwechslung nach so viel Wasser.
Praktische Hinweise für Besucher
Anreise & Parken Inniscarra erreichst du über die N22 (die Straße Cork–Macroom) und Nebenstraßen, vom Stadtzentrum Corks aus etwa 20 Autominuten. Geparkt wird an mehreren Haltebuchten entlang des Ufers, dazu auf dem Parkplatz des Recreation Centre und am Bereich des Concrete Jetty, weitere Plätze gibt es am Zugang Inniscarra Bridge zum Ballincollig Regional Park. Mancherorts kann eine kleine Gebühr anfallen, achte also auf die Beschilderung vor Ort. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Busse von Bus Éireann aus Cork halten in nahegelegenen Dörfern wie Blarney und Coachford, für einzelne Uferstellen sind allerdings ein kurzer Fußmarsch oder ein Taxi nötig.
Barrierefreiheit & Einrichtungen Der Uferweg ist größtenteils betoniert und gut instand gehalten, sodass sich die Angelplätze recht bequem erreichen lassen. Formal ist das Gelände nicht rollstuhlgerecht, doch die flachen, befestigten Abschnitte nahe dem Recreation Centre kommen Gästen mit eingeschränkter Mobilität entgegen. Direkt am See gibt es weder Besucherzentrum noch Café – Wasser, Proviant und passendes Schuhwerk gehören also ins Gepäck. Öffentliche Toiletten findest du am Recreation Centre und bei den Einrichtungen in den umliegenden Dörfern.
Beste Reisezeit Der See ist ganzjährig zugänglich, am angenehmsten lässt es sich aber im Frühjahr und Frühsommer wandern und angeln. Die Wasserstände schwanken je nach Niederschlag und Betrieb der ESB, ein Blick in örtliche Angelforen oder auf die Website des Central Fisheries Board lohnt sich vor der Anreise. Wer übernachten möchte, findet in der umliegenden Region Muskerry B&Bs und Ferienhäuser, von denen aus sich das Tal gut erkunden lässt.
Wer früh kommt, sichert sich den besten Angelplatz und einen Parkplatz, gerade am Wochenende. Mit Regenjacke, festen Schuhen und der Erlaubnis in der Trockentasche steht einem ertragreichen Tag nichts im Weg.
