Überblick
Der Benbaun (irisch: Binn Bhán, „weißer Berg“) ist mit 729 m der höchste Punkt im County Galway und das hohe Zentrum der Twelve Bens. Die offizielle Angabe der Nationalparkverwaltung liegt mit 725 m etwas niedriger, doch die meisten Quellen und topografischen Karten führen den Wert 729 m. Der Name ist wörtlich zu nehmen: Der helle Quarzit, der die oberen Hänge überzieht, fängt das Licht schon von weitem ein. Der Berg liegt im Connemara National Park, gemeinsam mit den übrigen Bens des Parks – Bencullagh, Benbrack und Muckanaght.
Eine Wanderung nebenbei ist das nicht. Der Benbaun ist ein abgelegener Gipfel ohne bequemen Weg nach oben, und wer hinauf will, muss sich auf einen langen Tag auf ungeschützten Graten einlassen. Wer das hohe Connemara ohne diesen Aufwand erleben möchte, findet in den leichten, markierten Wegen rund um das Besucherzentrum bei Letterfrack eine ganz andere und viel sanftere Alternative.
Name und Status
Der Name stammt direkt vom weißen Quarzit des Gipfelkegels. Mit einer Schartenhöhe von 684 m gilt der Benbaun als Marilyn und als P600 – Kategorien, mit denen Bergwanderer Irlands markanteste Gipfel erfassen – und er wird außerdem als Arderin und als Vandeleur-Lynam geführt. Als höchster Punkt des County Galway ist er ein Ziel für alle, die sich durch Irlands höchste Berge arbeiten.
Landschaft und Geografie
Der Benbaun liegt dort, wo die Hauptgrate zusammenlaufen, die die Twelve Bens miteinander verbinden. Flankiert wird er von glazial geformten U-Tälern: dem Gleninagh Valley im Osten, das der Gleninagh River entwässert und das Carrot Ridge begrenzt, und dem Owenglin-Tal im Südwesten. Vom Gipfel reicht der Blick weit über den Park hinaus, über Deckenmoor und Heide bis zur Atlantikküste.
Die Routen
Einen ausgebauten Weg zum Gipfel gibt es nicht. Die ernsthaften Anstiege sind lange Gratrunden, die den Benbaun zusammen mit den Nachbargipfeln mitnehmen:
- Owenglin Horseshoe – rund 20 km, ein Tag von 10 bis 12 Stunden, die größte der Runden.
- Gleninagh Horseshoe – rund 15 km, 8 bis 9 Stunden.
- Glencorbet Horseshoe – rund 14 km, 6 bis 7 Stunden.
Alle drei verlangen ausdauerndes Steigen, ruppiges Quarzitgelände und echte Orientierung. Bei tiefen Wolken verliert der obere Berg jede Struktur: Nimm deshalb die Karte OSi Discovery 37, einen Kompass und ein zuverlässiges GPS-Gerät mit – und beherrsche den Umgang damit.
Klettern am Carrot Ridge
Am Südsporn des Gleninagh Valley liegt mit dem Carrot Ridge ein anerkanntes Klettergebiet. Seine Quarzitwände bieten Routen von Diff bis Very Severe, mit Linien von bis zu etwa 320 m Länge. Die Bedingungen ändern sich schnell, Vorerfahrung an irischem Fels ist dringend zu empfehlen.
Tierwelt
Die unteren Hänge und das umliegende Parkland sind gut für Vögel: Wiesenpieper, Feldlerchen und Schwarzkehlchen im offenen Gelände, darüber jagen Turmfalken, Merline, Sperber und Wanderfalken. Im Deckenmoor und in der Heide wachsen fleischfressender Sonnentau und Fettkraut, dazu Orchideen und Wollgras vom späten Frühjahr bis in den Sommer. Auf den Parkflächen weiden Connemara-Ponys.
Praktische Informationen
- Eintritt: Kostenlos. Der Benbaun liegt im Connemara National Park, der vom National Parks and Wildlife Service verwaltet wird und keinen Eintritt verlangt.
- Parken: Kostenlos am Besucherzentrum bei Letterfrack, an der N59. An Sommerwochenenden ist der Parkplatz schnell voll, komm also früh.
- Öffentliche Verkehrsmittel: CityLink fährt etwa dreimal täglich mit dem Bus von Galway über Clifden nach Connemara; eine Bahnverbindung gibt es nicht.
- Wetter und Ausrüstung: Das Wetter in Connemara schlägt schnell um. Regenkleidung, eine warme Schicht und feste Stiefel brauchst du das ganze Jahr über, und in der Höhe sind Eis und Schnee im Winter üblich – dann können Steigeisen und Eispickel nötig werden.
- Barrierefreiheit: Die Gipfelrouten sind steil, ruppig und ungeschützt und damit für Rollstuhlfahrer nicht geeignet. Das Besucherzentrum und ein kurzer, ebener Naturlehrpfad in seiner Nähe sind zugänglich.
Gipfel in der Nachbarschaft
Der Benbaun wird selten allein bestiegen. Im Südosten liegt Bencorr, der zweithöchste der Bens, und jenseits des Grats im Norden folgt Benbrack. Gerade weil die Gipfel so dicht beieinanderstehen, sind die langen Hufeisenrunden möglich – und wird ein Tag hier oben zu einer Mehrgipfeltour statt zu einer einzelnen Besteigung.
Nützliche Links
- Benbaun auf Wikipedia
- Muckanaght–Benfree–Benbaun Loop – Tourenbeschreibung von ActiveME
- Connemara National Park – Besucherinformationen
Prüfe den Bergwetterbericht, bevor du dich festlegst. Im Besucherzentrum gibt es kostenlose Wanderkarten, und das Personal kann dir sagen, wie die Bedingungen gerade sind – am Benbaun ist dieser letzte Check mehr wert als an fast jedem anderen Berg in Galway.