Überblick
1704 fertiggestellt, ist Collins Barracks eine der ältesten eigens errichteten Militärkasernen der Welt – und blieb fast drei Jahrhunderte lang in Nutzung, bis 1997 die letzten Soldaten ausmarschierten. Heute beherbergt sie die Sammlung Decorative Arts & History des National Museum of Ireland: der Eintritt ist frei, und es ist der ruhigste der Dubliner Standorte des Museums – das ist schon die halbe Attraktion. Die Kaserne liegt am Nordufer der Liffey in Arbour Hill, nur wenige Minuten vom Phoenix Park entfernt.
Wenn du nur eine Stunde hast, geh zu den Galerien zum Osteraufstand von 1916 und den irischen Kriegen und zur Asgard – der Yacht, mit der 1914 Waffen nach Howth geschmuggelt wurden – und kehr dann für Eileen Gray zurück. Der Rest lohnt beim Stöbern, aber diese Stücke sind es wert, dafür quer durch die Stadt zu fahren.
Erst Kaserne, dann Museum
Das Gelände gehörte zur Wikingersiedlung Oxmantown, bevor hier irgendetwas stand; das liest man noch heute an nahen Straßennamen wie Viking Road. Das Land ging an den Duke of Ormond über, und sein Enkel verkaufte es 1703 an Königin Anne für eine neue Kaserne. Thomas Burgh, der Surveyor General, hatte die Haupttrakte bis 1704 errichtet – Granitfassaden um offene Höfe, gebaut für rund 1.500 Mann, mit Ställen und einer Reithalle. Spätere Hände veränderten das Ensemble: Mitte des 18. Jahrhunderts stockte Christopher Myers den Palatine Square um ein Geschoss auf und verbreiterte ihn, und die Reithalle von 1746, ursprünglich als Kapelle gedacht, trägt eine Dachspannweite von 18 m (weshalb dort in den 1970er-Jahren ein Eric-Clapton-Konzert für Armeeangehörige stattfand).
Die Kaserne stand 1916 im Zentrum des Geschehens, als von hier Truppen gegen die Aufständischen am Four Courts und am GPO geschickt wurden; in einer früheren Zeit gehörte Wolfe Tone zu denen, die innerhalb ihrer Mauern festgehalten wurden. Auch die schiere Zahl der Soldaten prägte das Viertel – die Benburb Street daneben war lange eines der Rotlichtviertel der Stadt. Im Dezember 1922 an den Freistaat übergeben, wurde sie nach Michael Collins benannt, und die Armee behielt sie bis 1997, als sie als Museum wiedereröffnet wurde. Die Umwandlung – alter Stein durchzogen von Glasgalerien – gewann 2002 die Silbermedaille des RIAI für Denkmalpflege.
Was es zu sehen gibt
Die Rezeption befindet sich in der ehemaligen Mannschaftsmesse, wo alte Pläne und Fotografien die Szenerie erklären. Der South Block beherbergt die großen Hauptstücke: eine der weltweit größten Sammlungen irischen Silbers, von georgianischen Teeservices bis zu kirchlichen Arbeiten, und Stockwerke mit Möbeln, wissenschaftlichen Instrumenten und Alltagsgegenständen, die das tägliche Leben nachzeichnen. Eine Galerie zu Eileen Gray, Irlands großer moderner Designerin, versammelt den E-1027-Tisch, den Chrombeistelltisch und den Bibendum-Stuhl. Daneben steht die Fonthill Vase, ein chinesisches Porzellanstück aus der Zeit um 1300 und eines der frühesten in Europa dokumentierten Stücke, gezeigt zusammen mit der Sammlung asiatischer Kunst von Albert Bender.
Der West Block erzählt chronologisch Irlands wirtschaftliche und politische Geschichte. Das Beste daraus: die Galerien zum Osteraufstand von 1916 und den irischen Kriegen mit Waffen, persönlichen Gegenständen und Fotografien; ein Jahrtausend Münzen und Währungen; und die Asgard, die restaurierte Yacht von 1914 aus dem Waffenschmuggel von Howth. The Way We Wore umfasst 250 Jahre irischer Kleidung, und im East Block öffnet „What’s in Store?” die Depotbestände, die sonst verborgen bleiben.
Wechselausstellungen rotieren: Zu den jüngeren (bis 2026) gehörten A New Form of Beauty über Dublins Jugendkultur und Streetstyle von den 1960er- bis zu den 1990er-Jahren und The Weight of Words, aufgebaut um die Messinggewichte des Museums. Seit Sommer 2025 zeigt das Museum außerdem naturkundliche Präparate, die aus dem geschlossenen Natural History Museum hierher verlegt wurden, darunter Spoticus die Giraffe und das Skelett eines Riesenhirschs. Schau vor deinem Besuch, was gerade läuft.
Praktische Informationen
- Eintritt: frei, für die Dauerausstellungen und die meisten Wechselausstellungen.
- Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 10–17 Uhr; Sonntag und Montag 13–17 Uhr, mit verlängerter Öffnung bis 20 Uhr am letzten Donnerstag des Monats („Dublin by Dusk”). Geschlossen an Weihnachten, am Stephanitag und Karfreitag.
- Quiet Hour: eine reizarme Stunde läuft am letzten Samstag des Monats von 10–11 Uhr.
- Taschen: die Garderobe ist klein – bring nichts Größeres als einen Rucksack mit.
- Barrierefreiheit: durchgehend stufenlos, mit vier Aufzügen, barrierefreien Toiletten, Wickelmöglichkeiten und Rollstühlen an der Rezeption.
- Café und Shop: ein kleines Café im South Block serviert Kaffee und leichte Mittagsküche; der Shop führt Bücher, Kunsthandwerk und Silberrepliken.
Anreise
Die Luas Red Line hält an Museum (direkt vor der Tür) und Heuston (fünf Gehminuten entlang der Benburb Street), und die Buslinien von Dublin Bus fahren entlang der Benburb Street. Entgegen dem, was man anderswo lesen mag, gibt es vor Ort einen Parkplatz mit Parkschein: 2 € für eine Stunde, 5 € für vier, 10 € für den Tag (Parkplatz geöffnet Mo–Sa 7.30–18 Uhr, So 13–17.30 Uhr), mit sieben Behindertenparkplätzen. Dublinbikes und Fahrradständer befinden sich am Eingang.
In der Nähe
Die Kaserne liegt in einem dicht besiedelten historischen Viertel. Der Arbour Hill Cemetery direkt im Norden birgt die Gräber der Führer von 1916; Croppies’ Acre am Westtor erinnert an die Toten von 1798. Westlich liegt Smithfield mit der Jameson Distillery in der Bow Street und dem Light House Cinema, und Phoenix Park mit dem Wellington Monument ist zu Fuß erreichbar. Leg deinen Besuch auf den letzten Donnerstag des Monats und du kannst die Galerien bis in den Abend genießen – und dann auf den Platz hinaustreten und die Kaserne so sehen, wie die Architekten sie gedacht haben.
