The Hall, das georgianische Herrenhaus oberhalb von Mountcharles, wurde 1946 vom sechsten Marquess Conyngham verkauft, um die elektrische Beleuchtung von Slane Castle zu finanzieren, dem prächtigeren Familiensitz in County Meath. Solche Geschichten trägt dieses stille Dorf an der Donegal Bay ganz beiläufig mit sich. Es liegt an der N56, rund 6 km westlich von Donegal Town, im Rücken die Bluestack Mountains, vor sich die Donegal Bay, und sein irischer Name – Tamhnach an tSalainn, „das Feld des Salzes“ – erinnert an die Küstenmarschen, in denen die Menschen hier einst Salz gewannen. Die Main Street deckt noch immer das Nötigste ab: ein Laden, Post, Apotheke, Fischhändler, Metzger, ein paar Teestuben und zwei Pubs.
Salz, Märkte und eine Eisenbahn
Die Conynghams benannten den Ort während der Plantation of Ulster nach Charles Conyngham – plantation bezeichnet die planmäßige Ansiedlung englischer und schottischer Siedler auf konfisziertem irischem Land. 1676 erwirkte Sir Albert Conyngham ein königliches Patent für einen Freitagsmarkt und vier Jahrmärkte im Jahr. An diese Blütezeit des Handels erinnert das Olde Market House, ein kleiner Steinbau aus dem 17. Jahrhundert an der Main Street, in dem heute ein Kunsthandwerksladen untergebracht ist. The Hall selbst stammt von etwa 1752–53. Eine Zeit lang war das Dorf auch Bahnstation: Mountcharles wurde am 18. August 1893 an einer Schmalspur-Zweigstrecke der County Donegal Railways eröffnet und am 1. Januar 1960 geschlossen, und die alte Bahnsteigkante liegt noch immer an der Straße. Heute leben hier weniger als 700 Menschen – 652 waren es bei der Volkszählung 2022.
Der Pier
Mountcharles Pier ist das Herzstück des Dorfes und ein ausgewiesener Discovery Point am Wild Atlantic Way – eben, mit kostenlosen Parkplätzen und gut befahrbar für Rollstühle und Kinderwagen. Ganzjährig wird hier geschwommen, geangelt und einfach gesessen; hol dir einen Kaffee im Café nebenan, geh damit hinaus und schau über die Donegal Bay hinüber nach Bell’s Isle, Summerhill und Murvagh Beach. Das Parken ist gratis, nur für die Übernachtung im Camper wird eine kleine Gebühr fällig.
Salthill Gardens
Kurz außerhalb des Dorfes und keine 200 m vom Meer entfernt verbergen sich die Salthill Gardens hinter hundert Jahre alten Steinmauern – Stauden, Rosen, Lilien und Clematis, dazu an manchen Sommerabenden Konzerte im Garten. Der Haken sind die Öffnungszeiten. Statt täglich, wie man erwarten könnte, öffnet der Garten nur an ausgewählten Tagen von Mai bis September, 14:00 bis 18:00 Uhr, für 5–6 €. Erkundige dich also vorher (donegalgardens.com; 087 7988078), bevor du eigens dafür anreist. Der nahe gelegene Sea View Garden, Teil desselben Anwesens, bietet Küstenblicke in zwangloserem Rahmen.
Mehr zu erleben
Ein ausgeschilderter Küstenweg führt auf rund 12 km nach Donegal Town, und kurze Rundwege ab dem Pier verbinden die Gärten mit der Küste. Angler fischen am Salthill Quay bei auflaufender Tide auf Hundshai – wirf vorher einen Blick in die Gezeitentabelle, denn hier ist das Timing alles.
Praktische Informationen
Anreise – Mountcharles erreichst du mit dem Auto bequem über die N56. Ein Direktbus nach Donegal Town fährt täglich etwa alle vier Stunden; die nächsten Bahnanschlüsse liegen in Sligo und Derry, mit Anschlussbussen weiter.
Parken und Barrierefreiheit – am Pier und im Dorf stehen kostenlose Parkplätze zur Verfügung. Der flache, gepflasterte Pier ist mit Rollstuhl und Buggy uneingeschränkt zugänglich, und das Café hat einen ebenerdigen Eingang. Der Ortskern ist weitgehend flach, einige ältere Gebäude haben aber noch ihre traditionellen Stufen.
Öffnungszeiten – Pier und Sea View Garden sind ganzjährig geöffnet. Die Salthill Gardens halten sich an ihren eingeschränkten Sommerplan (ausgewählte Tage, Mai–September, 14:00–18:00 Uhr, 5–6 €).
Sehenswertes in der Umgebung
- Donegal Town – Burg, der Diamond und reichlich Möglichkeiten zum Essen, rund 6 km östlich.
- Murvagh Beach – ein langer Sandstrand mit Dünen und Wald im Rücken, auf der anderen Seite der Bucht.
- Bluestack Mountains – Wandern und weite Blicke über den Süden Donegals.
- Killybegs – Irlands geschäftigster Fischereihafen, westlich an der N56.
Die Salthill Gardens sind der Programmpunkt, um den du planen solltest: Die kurze Sommersaison erwischt viele auf dem falschen Fuß. Alles andere, der Pier vor allem, ist da, wann immer du auftauchst.