Die Aussicht
Coillte hält Cruagh für den Wald mit dem schönsten Blick auf die Stadt Dublin unter allen Bergwäldern am Südrand, und wenn du an einem klaren Tag oben auf dem Granit in 522 m Höhe stehst, fällt Widerspruch schwer. Die Stadt, die Bucht von Dublin und in der Ferne die Linie der Wicklow Mountains breiten sich in der Ebene unter dir aus. Cruagh (irisch: Coill na Craobhaí) ist einer von drei Gipfeln der Umgebung, die auf der Ordnance-Survey-Karte so verzeichnet sind, neben Kilakee und Glendoo – auch wenn er sich in Wahrheit nur wenig über sein Umland erhebt. Der Wald liegt 16 km vom Stadtzentrum entfernt, wird von Coillte bewirtschaftet und öffnet sich direkt zum weiteren Wegenetz der Dublin Mountains.
Geschichte und Name
Schriftlich taucht Cruagh erstmals 1184 auf: Prinz John, Sohn Heinrichs II., übertrug damals die Ländereien von „Creevagh“ samt Kirchen an das Erzbistum Dublin. Eduard III. bestätigte die Schenkung 1337, Richard II. tat es 1395 bei seinem Besuch in Dublin noch einmal. Hier verlief die Grenze des Pale, bekannt als „the Harold’s country“ nach der anglonormannischen Familie, deren Name unten am Hang bis heute in Harold’s Cross und Harold’s Grange weiterlebt. Auf dem alten Friedhof von Cruagh nebenan steht noch ein steinernes Wachhaus, gebaut, damit ein Wächter frische Gräber vor Leichenräubern schützen konnte.
Die Wanderungen
Am beliebtesten ist die Runde des Slí na Sláinte (Weg zur Gesundheit), rund 5 km auf befestigten Forstwegen – gemütlich etwa eine Stunde, mit ein paar Bänken auf halber Strecke für eine Pause und den Blick hinüber nach Tibradden. Die weißen Markierungen übernehmen die Navigation, verlaufen kann man sich kaum. Wenn du nur eine Stunde hast, ist das die richtige Wahl.
Zum offenen Gipfel führt die Cruagh Mountain Access Route: 2,5 km Anstieg in etwa 45 Minuten, dann trifft sie auf den Dublin Mountains Way, der weiter nach Massy’s Estate, zum Tibradden Wood und irgendwann zum Wicklow Way führt. Bei Kilometer 2 markiert ein Moorsteg die Stelle, an der der bewirtschaftete Wald in offenes Bergland übergeht.
Sehenswertes
- Picknickplätze: gleich drei. Der Bereich am Parkplatz ist rollstuhlgerecht und zeigt zur Stadt; ein zweiter liegt 100 m tief im Wald, rechts des Slí na Sláinte; ein dritter versteckt sich am Fluss am Ostrand des Waldes.
- Tierwelt: Mäusebussarde und Rotmilane kreisen regelmäßig über dir, und im Frühling blüht ein Teppich aus Hasenglöckchen. Mit dem Projekt Dublin Mountains Makeover pflanzt Coillte zwischen Sitkafichte und Lärche nach und nach wieder heimische Eiche, Esche und Hasel.
- Hunde: auf allen Wegen willkommen, aber halte sie unter Kontrolle – oberhalb der Baumgrenze brüten im offenen Gelände Bodenbrüter.
Anfahrt und Parken
Der Parkplatz liegt an der Cruagh Road, erreichbar über die R116 (Tibradden) oder die R115 (Kilakee). Nimm die R116, dann hast du noch einen Blick hinunter auf die Stadt, bevor du in die schmale Straße bergauf abbiegst. Das Parken ist kostenlos, ein Fahrradständer ist vorhanden; die offizielle Zahl der Stellplätze schwankt je nach Quelle zwischen 35 und 44 – so oder so ist der Platz an einem schönen Wochenende früh belegt.
Samstags fährt ein Bus: Die Linie SD4 des Local Link Kildare South Dublin verkehrt seit 2024 zwischen Tibradden Wood und Tallaght, hält viermal pro Richtung in Cruagh und außerdem am Hellfire Club und an Massy’s Estate.
Bevor es losgeht
Toiletten und Mülleimer gibt es vor Ort nicht, nimm also alles wieder mit nach Hause, Hundekot inklusive. Bei Schnee oder Eis kann der Parkplatz kurzfristig schließen, und bei einer roten Sturmwarnung von Met Éireann solltest du dem Wald fernbleiben; aktuelle Hinweise findest du auf der News-Seite der Dublin Mountains Partnership.
Ein Café gibt es am Berg ebenfalls nicht. Am nächsten liegen Timbertrove und Hazel House beim Hellfire Club, oder Johnnie Fox’s in Glencullen für eine richtige Mahlzeit. Sieh dir vor dem Aufstieg die Wettervorhersage an – die Aussicht aus 522 m verschwindet in dem Moment, in dem von der Bucht her Wolken aufziehen.