Überblick & Geschichte
Ludwig Wittgenstein saß während eines Dubliner Winters 1948–49 auf den Stufen der Great Palm House, um zu schreiben; eine Messingtafel markiert heute die Stelle. Ein passendes Detail für ein Gebäude, das schon immer ebenso sehr ein Rückzugsort wie ein Gewächshaus war – ein warmer, feuchter Raum, in den man fliehen kann, wenn Glasnevin grau wird.
Die 65 Fuß hohe Konstruktion aus Eisen und Glas entstand aus der Zerstörung: Ein heftiger Orkan zerschmetterte 1883 das hölzerne Glashaus, das hier gestanden hatte. Der Ersatz wurde als vorgefertigter Bausatz von James Boyd & Son aus Paisley, Schottland, hergestellt, nach den Entwürfen des großen Glashausbauers Richard Turner – obwohl Turner selbst 1881 gestorben war und den Bau nie erlebte. Die Bauteile kosteten 800 £, wurden nach Irland verschifft und zwischen März und Oktober 1884 in neun Monaten montiert, wobei die seitlichen Flügel des früheren Hauses erhalten blieben. Die National Botanic Gardens reichen weiter zurück, bis 1795, als Land in Glasnevin vom Dichter Thomas Tickell gekauft und der Dublin Society übergeben wurde; die Gärten beherbergen heute über 16.000 Pflanzenarten.
Architektur & die Restaurierung von 2004
Anfang der 2000er-Jahre hatten Jahrzehnte der Witterung ihren Tribut gefordert: Eisensäulen korrodierten, Glasscheiben versagten, und der historische Leinölkitt hatte aufgegeben. Eine zweijährige Restaurierung (2002–2004) unter der Leitung des Office of Public Works mit technischer Unterstützung von Arup rettete die Struktur. Jedes Bauteil wurde demontiert, beschriftet, repariert oder neu gegossen und mit modernen Schutzbeschichtungen behandelt. Das Projekt erhielt einen Europa-Nostra-Preis für Konservierung, der das Palmenhaus als das letzte bekannte vorgefertigte Palmenhaus seiner Epoche in Westeuropa würdigt.
Zu den wichtigsten architektonischen Merkmalen gehören:
- Gerüst: Eine freistehende Konstruktion aus Holz und Schmiedeeisen mit einer dreigeschossigen Mittelhalle über elf Joche, flankiert von eingeschossigen Flügeln. Der Sockel ruht auf einem Sockel aus Kalksteinbruch mit einer Granitschwelle.
- Laterne: Eine über die volle Breite reichende kuppelförmige Laterne flutet den Innenraum mit natürlichem Licht; sie hat neun Joche an den Seiten und dreijochige Facetten, die aus der ursprünglichen Bauzeit stammen.
- Gusseisendetails: Verzierte Blattkapitelle, perforierte Laufstege und Balustraden stützen die oberen Aussichtsebenen.
- Kesselhaus: Ein dreigeschossiges Mauerwerksgebäude im hinteren Bereich beherbergt die ursprüngliche Heizanlage und einen Aufzugsschacht, der Zugang zu den oberen Galerien bietet.
- Klimasteuerung: Ein historisches, per Winde betriebenes Lüftungssystem arbeitet mit verborgenen Heizrohren zusammen, um ein stabiles Mikroklima für tropische Flora zu erhalten.
Was es im Inneren zu sehen gibt
Wer das Palmenhaus betritt, fühlt sich, als würde er in ein anderes Klima wechseln. Die dezente Wärme des verborgenen Heizsystems schafft einen angenehmen Rückzugsort, egal wie das Wetter draußen ist. Besucher können den Raum in eigenem Tempo erkunden oder an einer Führung teilnehmen, um mehr über die Ingenieurs- und Gartengeschichte des Gebäudes zu erfahren.
Highlights, auf die du achten solltest:
- Die zentrale Jardinière: Ein historischer drehbarer Pflanzenständer, der ursprünglich so konstruiert war, dass er sich langsam drehte und die Pflanzen dem Lauf der Sonne folgen ließ.
- Obere Galerien: Über den Aufzug im Kesselhaus erreichbar, bieten sie einen Blick von oben auf das Blätterdach und das filigrane Eisenwerk der Laterne.
- Architektonische Handwerkskunst: Achte auf die perforierten Laufstege, die gusseisernen Säulen und die sorgfältig restaurierte Verglasung, die Sicherheit mit historischer Authentizität verbindet.
- Saisonales Programm: Das Glashaus beherbergt gelegentlich Gartenbau-Workshops und klassische Musikkonzerte und verbindet so Natur mit kulturellen Veranstaltungen.
Die Pflanzensammlung
Das Palmenhaus beherbergt über 300 gefährdete Pflanzenarten, darunter sechs, die in freier Wildbahn ausgestorben sind. Die Sammlung spiegelt sowohl die Akklimatisierungsexperimente des 19. Jahrhunderts als auch moderne Naturschutzbemühungen wider. Zu den bemerkenswerten Exemplaren gehören:
- Tropische Palmen: Arten wie Ravenala madagascariensis (Baum der Reisenden) und Caryota urens (Fischschwanzpalme) dominieren das Blätterdach.
- Palmfarne: Seltene, langsam wachsende Exemplare wie Encephalartos altensteinii zeigen prähistorische Pflanzenlinien.
- Zitrus und Kaffee: Historische Sorten wie Coffea arabica und Citrus sinensis wurden hier einst für die landwirtschaftliche Forschung kultiviert.
- Bambus und Farne: Sie füllen den Unterwuchs und verleihen der Regenwaldumgebung Textur und Feuchtigkeit.
Die Gärten beherbergen außerdem das National Herbarium und eine Museumssammlung von rund 20.000 Proben pflanzlicher Produkte – Früchte, Samen und Hölzer –, die seit Generationen die botanische Forschung unterstützt hat, darunter frühe Studien zur Kartoffelfäule hinter der Großen Hungersnot in Irland.
Praktische Informationen
Öffnungszeiten
| Saison | Mo–Fr | Sa–So |
|---|---|---|
| Mär–Okt (Sommer) | 10:00 – 17:00 | 10:00 – 18:00 |
| Nov–Feb (Winter) | 09:00 – 16:30 | 10:00 – 16:30 |
Die Gärten und Glashäuser sind das ganze Jahr über geöffnet. Am Weihnachtstag ist das Gelände geschlossen.
Eintritt & Führungen
- Der allgemeine Eintritt in die Gärten und Glashäuser ist kostenlos.
- Führungen finden täglich um 11:30 und 15:00 statt und kosten 5 € (jeden Tag, auch am Wochenende).
- Gruppen ab fünf Personen sollten eine E-Mail an [email protected] schreiben, um eine private Führung zu vereinbaren.
Anreise Die Botanic Gardens liegen 3,5 km nördlich des Dubliner Stadtzentrums an der Botanic Road in Glasnevin. Zu den öffentlichen Verkehrsmitteln gehören die Dublin-Bus-Linien 46A und 123 sowie die Luas Red Line (Haltestelle Botanic). Begrenzte Parkplätze vor Ort sind gegen Gebühr verfügbar, mit kostenlosen Plätzen, die für OPW-Mitarbeiter und Besucher mit Behinderung reserviert sind. Fahrradständer befinden sich am Haupteingang.
Ausstattung & Tipps
- Ein Café, ein Buchladen, kostenloses WLAN, Wickelmöglichkeiten und rollstuhlgerechte Toiletten sind vor Ort verfügbar.
- Kinderwagen sind willkommen, aber Picknicks, Ballspiele und Joggen sind im Glashaus nicht erlaubt, um die kontrollierte Umgebung zu schützen.
- Assistenzhunde sind erlaubt. Drohnen sind verboten.
- Fotografieren mit Blitz wird nicht empfohlen, um die Pflanzen nicht zu stressen.
- Kostenlose Audioguides können von der OPW-Website für den selbstgeführten Besuch heruntergeladen werden.
- Buche Führungen in den Hauptsommermonaten im Voraus über die Eventbrite-Seite der National Botanic Gardens.
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Das Palmenhaus ist Teil eines größeren historischen Glashauskomplexes. Direkt daneben kannst du das Cactus House im Westen erkunden, das Orchid House (Teak House) im Osten (Heimat der jährlichen Frühlings-Orchideenmesse) und die separate Curvilinear Range von 1848. Das Aquatic House und das Fern House werden derzeit restauriert.
Für Besucher, die ihren Tag verlängern möchten, sind ein kurzer Spaziergang oder eine Busfahrt zu mehreren anderen Sehenswürdigkeiten möglich:
- Arbour Hill – Ein historischer Friedhof und ein Museum, das an die Anführer des Osteraufstands von 1916 erinnert, nur 2,6 km entfernt.
- Ardgillan Castle – Ein Schloss aus dem 19. Jahrhundert in ausgedehnten Küstengärten, ideal für einen Familienausflug weiter nördlich.
- Der Garden of Remembrance – Ein ruhiges Denkmal, einige Kilometer östlich der Gärten gelegen.
Komm an einem kalten, nassen Dubliner Tag, und das Palmenhaus zahlt sich aus: Die verborgene Heizung hält das ganze Jahr über tropische Wärme, also gilt: Je schlechter das Wetter draußen, desto besser das Argument, hineinzugehen. Der Eintritt ist kostenlos; nur die Führungen kosten etwas.