Überblick
Sieben Jahre lang unterhielt ein amtierender Taoiseach ein Ferienhaus auf Inishvickillane, und ein inzwischen freigegebener Plan aus dem Jahr 1989 zeigt, dass Naval Service und Air Corps bereitstanden, um ihn im Notfall von dort zu holen. Das verrät dir das meiste, was du über diese Insel wissen musst: Sie ist abgelegen genug, dass es ein logistisches Problem war, einen Regierungschef auf sie hinauf- oder von ihr herunterzubringen. Inishvickillane (irisch: Inis Mhic Aoibhleáin, „Insel des Mac Killane“) liegt am äußersten Westrand der Blasket Islands, unmittelbar vor der Dingle-Halbinsel in County Kerry. Sie umfasst rund 83 Hektar und erhebt sich auf bescheidene 138 Meter – lauter steile Klippen, windgepeitschte Heide, maritimes Grasland und felsige Küste. Die Einheimischen nennen sie „The Inis“, und lange galt sie als die letzte Pfarrei vor Amerika. Eine Kuriosität für den Kalender: Sie wird das erste Fleckchen Europas sein, das die totale Sonnenfinsternis vom 23. September 2090 zu sehen bekommt.
Antike Ruinen und frühe Geschichte
Die älteste Schicht der Insel ist eine frühe Klostersiedlung an der Südostküste. Die nicht umfriedete Stätte birgt die Überreste eines Trockenmauer-Oratoriums, einen Friedhof, ein Leacht mit einem Steinkreuz, eine mögliche Bienenkorbhütte und einen dem heiligen Brendan geweihten heiligen Brunnen. Ihr berühmtestes Merkmal war ein mit Ogham-Inschrift versehener Stein in der Südwand des Oratoriums, der das Gebet OR DO MAC RUED U DALAC trug („Ein Gebet für Mac-Ruaid, Enkel des Dálach“). Als er 1902 verschwand, schrien die Lokalzeitungen Vandalismus. Tatsächlich war er ans Trinity College Dublin gegangen, wo er heute in der Ausstellung zum Book of Kells zu sehen ist.
Bewohnt war die Insel im 19. und frühen 20. Jahrhundert nur zeitweise. Die Familie Ó Dálaigh waren die letzten Bewohner und zog vor rund 70 Jahren fort. Ihre Steinhütte mit den markanten Sprossenfenstern steht noch immer einsam am Hang. Ihre Nachfahren setzen noch heute jeden Sommer vom Festland über, um ihre Schafe auf den kargen Weiden der Insel grasen zu lassen.
Die Haughey-Jahre
In die moderne irische Politik trat Inishvickillane 1974 ein, als Charles J. Haughey sie als privates Sommerdomizil kaufte und versprach, ihren Charakter unangetastet zu lassen. Als Taoiseach empfing er hier Gäste, darunter den französischen Präsidenten François Mitterrand.
Der Besitz zog Faszination und Streit gleichermaßen auf sich. 1989 brachte Haughey ein Gesetz auf den Weg, das den gesamten Blasket-Archipel zum Nationalpark machen sollte, samt Enteignungsbefugnissen; Richter Declan Budd erklärte den Schritt 1998 für verfassungswidrig. Die inzwischen freigegebenen Staatsakten desselben Jahres legten jenen detaillierten Notfallplan dar, nach dem Naval Service und Air Corps ihn von der Insel holen sollten, wenn Regierungsgeschäfte es verlangten.
Tierwelt und Naturerbe
Die Insel ist eine Hochburg für Seevögel und bildet zusammen mit vier weiteren Blasketinseln ein Natura-2000-Gebiet (Special Area of Conservation und Special Protection Area). In der Brutzeit von Mai bis Anfang Juli beherbergen die westlichen Landspitzen Kolonien von Eissturmvogel, Sturmschwalbe und Papageitaucher. Auch für Kegelrobben sind die Gewässer rund um die Insel von Bedeutung.
1980 setzte Haughey ein Rotwildrudel an Land. Es erreichte 2005 mit etwa 100 Tieren seinen Höchststand und wird heute durch privaten Abschuss in Schach gehalten, um Überweidung zu verhindern. Das sanfte Gelände und der wechselnde Bewuchs laden zu ruhigen Landschaftswanderungen ein, doch halte Abstand zu den Brutplätzen und behalte den Himmel im Auge – das Wetter schlägt hier schnell um.
Anreise und praktische Informationen
- Anreise per Boot: Es gibt keine öffentliche Fähre. Du kommst mit einem privaten Boot, das meist im Fischerdorf Dún Chaoin gechartert wird, gelegentlich auch von Valentia Island; die Fahrt von der Dingle Marina dauert rund 30 Minuten. Die Anbieter setzen Besucher an der südöstlichen Anlegestelle ab.
- Parken: Am Pier von Dún Chaoin, dem üblichen Ausgangspunkt, gibt es Parkmöglichkeiten abseits der Straße und am Straßenrand.
- Buchung und Zeitplanung: Der Seegang rund um die Blaskets ändert sich rasch. Vereinbare eine Charterfahrt frühzeitig und bestätige sie am Morgen der Überfahrt. Frühe Überfahrten treffen meist auf das ruhigste Wasser.
- Ausstattung: keine. Keine Geschäfte, Cafés, Toiletten oder Unterkünfte. Bring dein gesamtes Essen, Wasser und deine Ausrüstung mit und nimm alles, was du mitbringst, wieder mit.
- Eintritt: kostenlos. Die Insel ist in Privatbesitz – respektiere daher die Grundstücksgrenzen, lass die Tierwelt in Ruhe und störe die archäologischen Stätten nicht.
- Sicherheit: Klippen und felsige Küste können rutschig sein. Trag festes Schuhwerk, sieh vor dem Anlanden in die Gezeitentabellen und halte in der Brutzeit reichlich Abstand zu den brütenden Vögeln.
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
- Great Blasket Island: die meistbesuchte Insel der Gruppe, per saisonaler Fähre von Dún Chaoin aus erreichbar, mit markierten Wegen, dem verfallenen Dorf und weiten Blicken über die Küste.
- Slea Head Loop: die Fahrt rund um die Spitze der Dingle-Halbinsel, vorbei an archäologischen Stätten, Aussichtspunkten an den Klippen und dem Gaeltacht-Dorf Ballydavid.
- Dún Chaoin: der Ausgangspunkt für Blasket-Touren auf dem Festland, Heimat des Blascaod Centre, das das literarische und kulturelle Erbe der Inseln bewahrt.
- Annascaul: ein Dorf im Landesinneren der Halbinsel, bekannt für seinen See, seine Trad-Sessions und seine Verbindung zum Polarforscher Tom Crean.
Wenn möglich, ziel auf das späte Frühjahr oder den Frühsommer, um die Seevögel in ihrer geschäftigsten Zeit zu erleben, und pack eine wasserdichte Schicht ein, egal was die Vorhersage sagt. Bestätige dein Boot am Abend zuvor – es entscheidet zwischen einer Überfahrt und einer vergeblichen Fahrt nach Dún Chaoin.
