Überblick
Acht Menschen leben auf Inishbiggle. 1881 waren es 171. Die Insel leert sich seit einem Jahrhundert, und geblieben ist ein 2,6 km² kleiner Flecken im Bullsmouth Channel zwischen der Nordostspitze von Achill Island und dem Festland von Mayo bei Ballycroy, wo Schafhaltung, Fischerei im kleinen Stil und das Sammeln von Strandschnecken noch ganz normale Arbeit sind und keine Folklore für Besucher. Man kommt nur per Boot her, und zu tun gibt es hier fast nichts – was für die richtigen Besucher genau den Reiz ausmacht.
Eine ungewöhnliche Insel
Inishbiggle gehört zu den ganz wenigen Orten der Republik, die zugleich Gaeltacht, also irischsprachiges Gebiet, und traditionell protestantisch sind. Beides zeigt sich in den zweisprachigen Schildern und in der Holy Trinity Church, einer Steinkapelle im Osten der Insel, im Frühsommer von rosa Rhododendren umringt und von beiden Fährpiers aus zu erreichen. Gelegentlich findet dort noch ein Gottesdienst statt.
Früher gab es auf der Insel eine Schule, ein Postamt und eine Austernfischerei, die den Kanal abfischte und bis nach County Clare verkaufte – bis, so erzählt man vor Ort, Männer aus Murrisk die Bänke zerstörten. Das Wirtschaftsleben ist heute verschwunden. 1996 lehnte der Mayo County Council eine geplante Seilbahn über den Bullsmouth Channel ab, die die Isolation der Insel beendet hätte: Bedenken gab es wegen des Erscheinungsbilds, des Verkehrs und der Immobilienwerte. Also führt der einzige Weg herüber nach wie vor übers Boot.
Anreise
Der Zugang hängt vollständig von Wetter und Gezeiten ab. Im Bullsmouth Channel läuft eine der stärksten Strömungen Europas, und im Winter kann die Überfahrt tagelang unmöglich sein; bei gutem Wetter dauert sie etwa zehn Minuten. Zwei Betreiber fahren die Strecke, und Voranmeldung ist unbedingt nötig:
- Von Achill: Joe O’Malley aus Bullsmouth (Dooniver) – der O’Malley-Service hat eine Website (inishbiggleferry.com) und verleiht auch Fahrräder. Telefon +353 86 0612482.
- Vom Festland: Michael Leneghan von Doran’s Point, Ballycroy. Telefon +353 87 1269618.
Preise für Überfahrt und Fahrradverleih sind nirgends so verlässlich veröffentlicht, dass wir sie hier nennen würden – frag deshalb beim Buchen direkt nach den aktuellen Tarifen. Schwimmwesten werden gestellt. Für Notfälle gibt es einen Hubschrauberlandeplatz, für alle anderen heißt es: Fähre oder gar nicht.
Der Rundweg
Das einzige Glanzstück der Insel ist ein Küstenrundweg von vier bis fünf Kilometern (die Quellen sind sich über die genaue Länge uneins), der an den Piers von Bullsmouth und Gubnadoogha beginnt. Er ist flach und leicht, führt durch niedriges Weideland, an Trockenmauern vorbei und an geschütztem Ufer entlang, wird nach Regen aber auf einigen Abschnitten matschig – zieh also festes Schuhwerk an. Plan 60 bis 90 Minuten ein, mehr, wenn du für den Blick über den Kanal stehen bleibst. Unterwegs kommst du an der Holy Trinity Church und ihrem Friedhof vorbei, an verstreuten alten Cottages und an Felstümpeln, in denen die Einheimischen bei Ebbe noch immer Strandschnecken sammeln. Robben und Seevögel gehören zur Kulisse, sind aber keine garantierte Vorstellung.
Was du mitbringen solltest, und wann du kommen solltest
Auf der Insel gibt es nichts – keinen Laden, kein Café, keinen Pub, keine Unterkunft, keine öffentlichen Toiletten – nimm also eigenes Essen und Wasser mit und plane einen Tagesausflug. Am Wochenende des August Bank Holiday findet das Inis Bigil Festival statt, mit traditioneller Musik, Kunsthandwerk und Geschichtenerzählen, und das ist so ziemlich der einzige Moment, in dem auf der Insel Betrieb herrscht; eine echte Gelegenheit, die Menschen kennenzulernen, die hier leben. Wenn du länger in der Gegend bleiben willst, quartiere dich in Ballycroy oder auf Achill Island ein und nimm dir einen Tag für den Ballycroy National Park im Landesinneren.
Ruf am Abend vorher bei der Fähre an, prüfe die Vorhersage und sei darauf gefasst, eine Absage zu bekommen – bei kräftigem Westwind kommst du schlicht nicht hinüber, und genau das hält Inishbiggle so, wie es ist.
