Überblick
Die kleine, kiefernbewachsene Insel im Derryclare Lough ist eines der meistfotografierten Motive in Connemara – und an einem stillen Morgen, wenn sich die Twelve Bens im Wasser spiegeln, hat sie diesen Ruf mehr als verdient. Der 677 m hohe Gipfel des Derryclare erhebt sich am südlichen Rand der Bergkette über dem Lough, an seiner Ostflanke ein Rest alten Eichenwaldes. Der irische Name Binn Doire Chláir bedeutet „Gipfel des Eichenwaldes der Ebene“.
Wenn du nur eine Stunde hast, ist der Blick vom Ufer entlang der R344 das Richtige – anhalten, genießen, weiterfahren. Bist du zum Wandern gekommen, ist das Glencoaghan Horseshoe der große Preis – aber das ist ein ganzer, ernstzunehmender Bergtag, kein Spaziergang.
Das Naturreservat und der Eichenwald
Der Eichenwald an der Ostflanke ist ein 19 Hektar großes gesetzliches Naturreservat, 1980 ausgewiesen und wegen seines ökologischen Werts geschützt. Das Kronendach besteht überwiegend aus alten Traubeneichen, darunter Eberesche, Moorbirke und Esche. Er gehört zum größeren Schutzgebiet Twelve Bens/Garraun Complex (Special Area of Conservation) und ist ein bedeutender Standort für Flechten und Pilze – hier wurde Hemigrapha astericus erstmals in der nördlichen Hemisphäre nachgewiesen, ein parasitischer Pilz, der auf Flechten wächst. Ein Gang durch das gesprenkelte Licht hier ist ein völliger Gegensatz zum kahlen Quarzit weiter oben.
2005 wurden neunzehn Eichhörnchen aus dem Portumna Forest Park hierher umgesiedelt, um die Art in Irland zu schützen; inzwischen haben sie sich im Wald fest etabliert. Rothirsche halten sich an den höheren Hängen auf, und in der Morgen- und Abenddämmerung tauchen Fischotter an den Ufern des Loughs auf.
Wandern und Bergsteigen
Alle Routen verlangen festes Schuhwerk und Respekt vor dem schnell umschlagenden Wetter.
- Uferspaziergang: eine leichte Strecke entlang des Ufers und am Rand des Eichenreservats, ideal für den Blick auf die Insel und zur Tierbeobachtung, ohne nennenswerten Anstieg.
- Die Hufeisen-Touren: Für erfahrene Bergwanderer gilt das Glencoaghan Horseshoe (rund 16 km, 8–9 Stunden) als eine der besten Bergwanderungen Irlands; es verbindet Derryclare mit Nachbargipfeln wie dem Bencorr. Das kürzere Bencorr Horseshoe (etwa 11–14 km, 5–7 Stunden) ist für sich genommen schon ein anstrengender Tag. Orientierungsvermögen ist unverzichtbar – im Nebel verlieren sich die Pfade, und das Gelände verzeiht keine Fehler.
Klettern
Das östliche Kar, Log an Choire Mhóir, bietet lange Mehrseillängen-Routen von rund 200 m, eingestuft von Difficult bis Very Difficult – die bekannteste ist The Knave (VD, 225 m). Es handelt sich um traditionelles Klettern auf exponiertem Quarzit, der bei Regen glatt und gefährlich wird – prüfe daher Bedingungen und Wettervorhersage, bevor du dich darauf einlässt.
Tierwelt
Neben Eichhörnchen, Rothirschen und Fischottern zieht der Lough Wasservögel an, und über dem Kar kannst du Mäusebussarde und Sperber beim Kreisen in der Luft beobachten. Die Mischung aus Eichenwald, offenem Wasser und Bergwiesen sorgt das ganze Jahr über für Abwechslung.
Angeln

Der Derryclare Lough ist ein reines Fliegenfischgewässer, befischt auf Frühjahrslachs, Grilse, Meerforelle und große wilde Bachforellen. Die Fischerei wird vom Lough Inagh Lodge aus verwaltet; erforderlich sind eine Genehmigung sowie eine staatliche Lachslizenz, wenn du auf Lachs oder Meerforelle angeln willst, und beides regelst du am besten im Voraus. Es ist ein bewirtschaftetes Fischereigewässer und kein Ort zum spontanen Angeln – regle den Papierkram also, bevor du ankommst.
Anreise und praktische Informationen
- Anfahrt: Der Lough ist über die R344 durch das Inagh Valley zu erreichen, abzweigend von der N59 zwischen Recess und Kylemore. Nahe dem See gibt es einen Parkplatz und begrenzte Parkmöglichkeiten am Straßenrand; die beliebte Foto-Haltebucht füllt sich schnell, früh am Morgen ist es also ruhiger. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es hier nicht – du brauchst ein Auto.
- Einrichtungen: keine – am See gibt es weder Toiletten noch Geschäft oder Café, bring also Essen, Wasser und deine Ausrüstung selbst mit. Die nächsten Versorgungsmöglichkeiten liegen in Recess.
- Wetter und Sicherheit: Das Wetter in Connemara schlägt schnell um, und selbst im Sommer ist es auf den Gipfeln selten warm. Nimm Regenkleidung, Karte und Kompass sowie ein geladenes Handy mit und sag jemandem Bescheid, welche Route du gehst und wann du zurück sein willst.
- Regeln: Reservat und Wanderwege sind kostenlos; fürs Angeln ist eine kostenpflichtige Genehmigung nötig. Bleib möglichst auf den ausgewiesenen Wegen, um die Bodenflora und die Flechten zu schützen.
In der Umgebung
Das Dorf Recess mit seinen Kunsthandwerksläden und Galerien liegt gleich gegenüber, und Benbaun – der höchste der Twelve Bens – erhebt sich im Norden für alle, die noch Kraft in den Beinen haben. Die Anfahrt entlang der R344 gehört zu den schönsten Straßenabschnitten im Westen – lass dir also Zeit.
