Die Geschichte hinter dem Zentrum
Das Pfarrhaus am Ortsrand von Ballymoe stand zehn Jahre leer, bevor ein lokales Komitee es im August 2022 als nationalen Erinnerungsort für Edward Flanagan wiedereröffnete. Die Renovierung kostete rund 70.000 €, finanziert durch Spenden, die Diözese Elphin und die Fr Flanagan League in Omaha – und das Ergebnis ist bewusst bescheiden: ein restauriertes Gebäude dort, wo die Countys Galway und Roscommon aneinandergrenzen, das die Geschichte eines Mannes erzählt. Der Eintritt ist frei.
Flanagan wurde am 13. Juli 1886 auf der Farm Leabeg geboren, ein paar Meilen vom Dorf entfernt, als achtes von elf Kindern einer Bauernfamilie. Er wurde vor Ort und am Summerhill College in Sligo ausgebildet, emigrierte 1904 in die Vereinigten Staaten und wurde 1912 zum Priester geweiht. Fünf Jahre später gründete er Boys Town vor den Toren Omahas, ein Zuhause für obdachlose und gefährdete Jungen, das auf einer damals radikalen Überzeugung beruhte: Es gibt keinen schlechten Jungen, nur ein schlechtes Umfeld und schlechte Vorbilder. Der Film Boys Town von 1938, für den Spencer Tracy einen Oscar für seine Darstellung Flanagans gewann, trug diese Idee in die ganze Welt.
Er verlor die irische Verbindung nie. 1946 kehrte er zurück, um die Industrie- und Besserungsanstalten des Landes zu inspizieren, und reiste entsetzt ab – er nutzte sein internationales Ansehen, um Zustände anzuprangern, die der Ryan Report mehr als sechzig Jahre später im Detail bestätigen sollte. Sein Satz – „Keine Rasse, die sich nicht um ihre Jugend kümmert, kann hoffen zu überleben“ – ist der Leitsatz, auf den das Zentrum immer wieder zurückkommt.
Im Inneren
Der Grund für den Besuch ist die Ausstellung im Erdgeschoss: Originalfotografien, persönliche Gegenstände und Tafeln, die Flanagans Weg von einem Bauernhof in Ballymoe nach Nebraska nachzeichnen, mit einem Abschnitt über seine Inspektionsreise von 1946 und deren Folgen, der offener ist, als man erwarten würde. Eine kurze Schleife des Films Boys Town läuft vor Ort, und eine Wand mit seinen bekanntesten Sprüchen kann man in einem kostenlosen Heftchen mit nach Hause nehmen. Wenn man zwanzig Minuten hat, verbringt man sie besser hier als im Garten.
Der Gedenkgarten, 2016 angelegt, liegt hinten neben der St Croan’s Church – ein gewundener Pfad, Informationstafeln und heimische Bepflanzung für ruhige zehn Minuten. Eine Sache, die man wissen sollte, bevor man sich auf die Suche macht: Die lebensgroße Statue Flanagans, geschaffen vom amerikanischen Bildhauer Fred Hoppe, steht nicht im Garten. Sie befindet sich im Ballymoe Community Centre, ein kurzes Stück entfernt.
Besuch
Das Zentrum hat eine kurze Saison – ungefähr Mai bis September, nur an Werktagen – und ist daher einen Großteil des Jahres und jedes Wochenende geschlossen. Die bestätigte Öffnungszeit ist die Saison selbst; die täglichen Öffnungszeiten haben sich schon verschoben, also vor einem speziellen Ausflug die Website prüfen. Für Haus und Garten zusammen sollte man eine bis anderthalb Stunden einplanen. Alles ist stufenlos zugänglich, es gibt barrierefreie Toiletten vor Ort und kostenlose Parkplätze direkt am Gebäude. Schul- und Reisegruppen sind nach vorheriger Absprache willkommen.
Für Gruppenbuchungen erreicht man das Zentrum unter +353 87 766 5219 oder [email protected].
In der Nähe
- Abbeyknockmoy – Ruinen einer Zisterzienserabtei aus dem 13. Jahrhundert mit seltenen mittelalterlichen Wandmalereien, im Süden.
- Knock Shrine – Irlands meistbesuchter Wallfahrtsort, etwa eine halbe Stunde nordwestlich.
- Strokestown – das Famine Museum im Anwesen ist die eigentliche Attraktion, etwa 30 Minuten nördlich.
- Galway City und Westport – jeweils etwa eine Stunde entfernt, südlich beziehungsweise westlich.
Wer den Besuch an einem Werktag im Sommer plant, sollte am Vormittag kommen: Dann hat man die Ausstellung vor den Reisegruppen und den Garten für sich, bevor alle anderen da sind.