Coill an Fhaltaigh – „Wall’s Woods“ – ist der größte der sechzehn People’s Millennium Forests, die überall in Irland zum Jahr 2000 gepflanzt wurden, und mit 90 Hektar ein richtiger Wald statt eines symbolischen Wäldchens. Er liegt rund 6 km südwestlich von Kilkenny abseits der N76 Richtung Callan und wurde 2024 mit dem RDS Native Woodland Conservation Award ausgezeichnet.
Die Geschichte des Geländes reicht weiter zurück, als die Millenniumspflanzung vermuten lässt. Einst stand hier alter Laubwald, Teil des Brittas Estate der Familie O’Rourke, deren Brittas Castle in der Nähe als Ruine steht. In den späten 1940er- und den 1950er-Jahren wurde die Fläche gerodet und mit Nadelhölzern bepflanzt; als diese ihre Stärke erreicht hatten, fällte man sie und pflanzte stattdessen eine heimische Mischung – Traubeneiche, Esche, Birke, Erle, Kirsche und Pfaffenhütchen – nach der Lesart des Projekts einen Baum für jeden Haushalt im Land. Mitten durch den jungen Aufwuchs zieht sich ein sechs Hektar großer Eichenbestand von über hundert Jahren, jenes Stück Wald, das nie gerodet wurde.
Die Wanderwege
Das hier ist ein Ort für eine entspannte Stunde, keine Bergtour. Vom Parkplatz führen zwei markierte Rundwege weg, beide flach und gut befestigt.
- Green Walk (2,2 km, etwa 1½ Stunden): eine ebene Runde durch das Herz des neu bepflanzten heimischen Waldes, wirklich kinderwagen- und rollstuhltauglich.
- Red Walk (3,3 km, etwa 2 Stunden): die längere Runde um die eigentliche Millenniumspflanzung herum, mit nur rund 40 m sanftem Anstieg und vielen Bänken.
Mit Kinderwagen oder wenig Zeit reicht der Green Walk völlig; den Red Walk nimmst du, wenn du zwischen die älteren Eichen kommen willst. Wegekarten hängen am Parkplatz aus, und die Beschilderung ist durchgehend klar.
Tier- und Pflanzenwelt
Der Wald steht irgendwo zwischen Forstkultur und altem Baumbestand, und genau das tut ihm gut. Unter den alten Eichen kommen im Frühling die Hasenglöckchen so dicht hoch, dass der Boden tiefblau leuchtet, dazwischen Waldsauerklee, Schlüsselblume, Ruprechtskraut, Veilchen und Aronstab. Ein gutes Eichhörnchenrevier ist es obendrein – Eichhörnchen und Grauhörnchen leben beide hier, was heute keineswegs selbstverständlich ist –, außerdem Fuchs, Hermelin, Hase, Kaninchen, Igel, die winzige Zwergspitzmaus und in der Dämmerung Zwergfledermäuse. Horche auf Baumläufer, Wintergoldhähnchen und die eine oder andere Waldohreule zwischen den häufigeren Singvögeln, und halte Ausschau nach einem Sperber, der die Schneisen abfliegt. Seit 2003 gehört das Gelände zu einem langfristigen ökologischen Monitoringprogramm, das verfolgt, wie diese wiederhergestellten Wälder heranreifen.
Durch das Jahr
- Frühling: die Hasenglöckchen unter den Eichen und frisches Laub im jungen Kronendach – die schönsten Wochen für einen Besuch.
- Sommer: die langen Abende machen den Red Walk zur unkomplizierten Feierabendrunde, mit Schmetterlingen entlang der sonnigeren Schneisen.
- Herbst: Laubfärbung, und Pilze, die sich durch die feuchte Streu schieben.
- Winter: die ruhigste Zeit, wenn kahle Äste den Blick auf die Vögel freigeben und Raureif die Tierspuren auf den Wegen nachzeichnet.
Praktische Informationen
Die Öffnungszeiten richten sich nach dem Tageslicht: 9:00–19:00 Uhr von April bis Oktober, 9:00–17:00 Uhr von November bis März. Eintritt und Parken sind kostenlos. Am Eingang gibt es einen Parkplatz und einen Picknickplatz, aber weder Café noch Laden oder Toiletten, also nimm Wasser und eine Regenjacke mit – die nächsten Einrichtungen findest du erst wieder in Kilkenny.
Mit dem Auto ist die Anfahrt unkompliziert: von Kilkenny aus auf der N76 nach Südwesten und nach der Abzweigung der Beschilderung folgen, insgesamt etwa 6 km. Öffentliche Verkehrsmittel sind hier dünn gesät, du kommst also praktisch nur mit dem Auto her. Halte Hunde unter Kontrolle und bleib auf den markierten Wegen, um die jungen Bäume und den Unterwuchs zu schonen.
In der Umgebung
Der Wald lässt sich gut mit dem Rest der Grafschaft verbinden. Im Norden liegt das Plateau von Castlecomer mit Heidewanderungen, Wasserfällen und dem Discovery Park; zurück in der Stadt hat die Black Abbey aus dem 13. Jahrhundert einen stillen Kreuzganggarten, und die Jerpoint Abbey am Nore lohnt den Weg allein schon wegen ihrer Figuren im Kreuzgang. Sonntags findet beim nahen Castleinch Venue einer der größten Flohmärkte Irlands statt.
Am schönsten ist der Wald allerdings Ende April oder Anfang Mai, wenn unter den hundertjährigen Eichen die Hasenglöckchen blühen – das ist der Spaziergang, um den sich eine Planung lohnt.