Der Baumtunnel ist kürzer, als die Fotos vermuten lassen: rund 150 Meter ineinander verschlungene Buchen, nicht die knapp einen Kilometer, die manche Reiseführer angeben (diese Zahl bezieht sich auf die gesamte Bregagh Road). Was dich erwartet, ist ein einziger dichter Abschnitt, in dem sich die Äste von beiden Straßenseiten über dir verweben. Gepflanzt wurde die Allee in den 1770er-Jahren, zum kleinen Wallfahrtsort wurde sie, nachdem sie in Game of Thrones die King’s Road gespielt hatte. Sei früh dran. An einem Sommertag sind um 10 Uhr die Reisebusse da, und du fotografierst vor allem andere Leute, die Bäume fotografieren.
Wenn du nur eines richtig machst, dann dieses: Komm bei bedecktem Himmel im Morgengrauen oder in der Abenddämmerung. Erst das weiche, flache Licht lässt das Blätterdach als Tunnel wirken und nicht bloß als Baumreihe – und du hast die Straße weitgehend für dich.
Die Bäume und ihre Geschichte
James Stuart ließ die Allee um 1775 anlegen, um die Zufahrt zum Gracehill House zu säumen, dem georgianischen Herrenhaus, das er nach seiner Frau Grace Lynd benannte. Rund 150 Buchen setzte er, damit ankommende Gäste einen angemessen prächtigen Auftakt erlebten. Zweieinhalb Jahrhunderte später wirkt das immer noch, auch wenn die Reihen dünner geworden sind.
Für den Namen gibt es zwei Erklärungen, und die langweilige trifft vermutlich zu: Das Blätterdach schluckt so viel Licht, dass es auf der Straße selbst mittags düster bleibt. Die schönere Version ist die Grey Lady, ein Geist, der in der Dämmerung zwischen den Stämmen umhergehen soll – mal die Seele von Stuarts Tochter, mal ein verschwundenes Hausmädchen, mal jemand von einem vergessenen Friedhof in der Nähe. Such dir aus, was dir lieber ist.
Berühmt gemacht hat die Allee Game of Thrones. Sie tritt in der Auftaktfolge der zweiten Staffel als King’s Road auf, später auch in Transformers: The Last Knight (2017). Eine der geschnitzten „Doors of Thrones“, gefertigt aus dem Holz einer bei einem Sturm gefallenen Buche, hängt heute im Hedges Hotel die Straße hinunter.
Wie es um die Bäume steht
Von den ursprünglichen Buchen stehen noch etwa 90. Eine Erhebung von 2023 zählte 86, und die Winterstürme haben seither weiter daran genagt: Gertrude 2016, dann Doris, Hector, Arwen, Isha und Éowyn, die jeweils ein bis zwei Bäume mitnahmen. Dieselbe Erhebung stufte elf als in schlechtem Zustand ein, sechs sind zum Fällen vorgesehen.
Dieser Rückgang ist die ehrliche Geschichte des Ortes. Buchen werden selten viel älter als 250 Jahre, und diese hier stoßen jetzt an diese Grenze. Ein Tree Preservation Order von 2004 und der Dark Hedges Preservation Trust (2009 gegründet, in Zusammenarbeit mit dem Causeway Coast and Glens Heritage Trust) begleiten im Grunde einen langsamen, bewussten Niedergang: Rückschnitt aus Sicherheitsgründen, Nachpflanzungen für ein künftiges Blätterdach und die Einsicht, dass der Tunnel in zwanzig Jahren nicht mehr derselbe sein wird. Grund genug, eher früher als später hinzufahren.
Anfahrt und Parken
Seit dem 30. Oktober 2017 ist die Straße für Autos gesperrt, du parkst also und gehst zu Fuß hinein. Wer trotzdem durch die Allee fährt, riskiert bis zu 1.000 £ Bußgeld – und weil Navis nach wie vor versuchen, dich direkt in den gesperrten Abschnitt zu schicken, ignorierst du diese Ansage besser.
Kostenlos parken kannst du am Hedges Hotel (139A Ballinlea Road, Stranocum, Ballymoney BT53 8PX) oder auf dem Parkplatz des Dark Hedges Estate, wobei der Parkplatz des Estate in der Hochsaison manchmal ein paar Pfund verlangt. Auch in Armoy gibt es Parkmöglichkeiten am Straßenrand, von dort sind es etwa zehn Minuten zu Fuß. An den Bäumen selbst gibt es weder Toiletten noch Café oder Laden; die nächsten Einrichtungen findest du in Armoy oder Stranocum, und das Hedges Hotel serviert Essen und Getränke.
Der Weg selbst ist flach und befestigt, ausreichend eben, um gut begehbar zu sein, auch wenn es kein eigenes Angebot für Rollstuhlfahrer gibt und die Ränder nach Regen matschig werden.
In der Umgebung
Die Dark Hedges liegen im Landesinneren, etwas abseits der großen Sehenswürdigkeiten der Causeway Coast, von denen die meisten keine Viertelstunde Fahrt entfernt sind: der Giant’s Causeway und die Destillerie Bushmills im Norden, die Hängebrücke Carrick-a-Rede im Nordosten und Ballycastle im Osten. Ganz in der Nähe hat Armoy eine Pfarrkirche und ein paar Pubs, und Ballymoney ist der praktischste Stützpunkt für Übernachtung und Einkäufe.
