Überblick & Geschichte
Um in die Anchorite’s Cell in Fore zu gelangen, borgt man sich einen Schlüssel aus der Kneipe im Dorf – das sagt eigentlich schon alles über den Ort: mittelalterliche Ruinen, lokale Folklore und ein lebendiges Dorf, alles in einem kleinen Tal in Westmeath. Das Herzstück ist Fore Abbey, einer der vollständigsten erhaltenen Benediktinerkomplexe Irlands, in einem grünen Tal etwa 30 km nordöstlich von Mullingar und 4 km von Castlepollard entfernt.
Die Geschichte verläuft in zwei Kapiteln, die oft durcheinandergeraten. Zuerst kam das gälische Kloster, das St Féichín um 630 n. Chr. gründete; der Überlieferung nach wuchs es auf rund 300 Mönche an, bevor der Heilige 665 an der Gelben Pest starb. Diese frühe Gründung wurde zwischen 771 und 1169 etwa zwölfmal überfallen und niedergebrannt – von Wikinger-Plünderern und später von den O’Reilly-Herrschern von Breifne. Die Steinruinen, durch die man tatsächlich geht, gehören zum zweiten Kapitel: Um 1200 gründete der anglonormannische Lord Hugh de Lacy den Ort als Benediktinerpriorat neu, und es sind seine Kreuzkirche und sein Kreuzgang, die erhalten sind. Trotz der großen Zahlen, die mit St Féichíns Gemeinschaft verbunden werden, war das mittelalterliche Priorat selbst klein – ein Prior und eine Handvoll Mönche. Befestigte Mauern und die Stadttore wurden im 15. Jahrhundert hinzugefügt, als dies eine Grenzregion war, die sich zu verteidigen lohnte.
Die Ruinen und die Seven Wonders
Die Ruinen liegen in einem weiten, grasbewachsenen Areal, sodass sich der alte Klostergrundriss gut ablesen lässt. Der Kreuzgang umrahmt einen zentralen Innenhof; die Stadttore gehören zu den späteren Verteidigungsanlagen aus dem 15. Jahrhundert. Im Inneren steht St Feichín’s Church mit einem frühen Kern und einem späteren Chor, und über dem Portal der massive, gemeißelte Sturzstein, den der Volksglaube durch die Gebete des Heiligen an seinen Platz gehoben sieht.
Dieser Sturzstein ist eines der Seven Wonders of Fore, jener Liste aus mittelalterlicher Ingenieurskunst und Legende, um die sich das Dorf dreht. Sei gewarnt: Manches ist mehr Geschichte als Spektakel – das „Wasser, das bergauf fließt“, ist ein Trick des Talgefälles, und man muss vielleicht schon genau hinschauen, um es zu erkennen. Die sieben:
- Das auf einem Moor erbaute Kloster – die Abtei steht auf Torf statt auf festem Grund, Wunder Nummer eins.
- Die Mühle ohne Gerinne – St Féichíns Mühle, die angeblich ohne sichtbaren Wasserkanal lief.
- Das Wasser, das bergauf fließt – ein Bach, der scheinbar gegen die Schwerkraft läuft.
- Der Baum, der nicht brennt – eine Esche an der Heiligen Quelle.
- Das Wasser, das nie kocht – die Quelle an Tobernacogany Holy Well, seit jeher gegen Kopf- und Zahnschmerzen genutzt. Pilger schlagen noch heute Münzen in die Rinde der Esche daneben, weshalb sie mit Kupfer verkrustet ist.
- Die Einsiedlerzelle – ein spätmittelalterlicher Turm, in dem ein Einsiedler lebte, später mit einem Mausoleum der Familie Nugent aus dem 19. Jahrhundert gekrönt. Dafür braucht man den Schlüssel aus der Kneipe.
- Der durch Gebet gehobene Sturzstein – der gemeißelte Stein über der Kirchentür.
Wandern auf dem St Feichín’s Way
Wenn du nur eines tust, dann geh den St Feichín’s Way – eine markierte 3 km lange Rundroute, 45 bis 60 Minuten in gemütlichem Tempo, die Ruinen, Heilige Quelle und Mühle miteinander verbindet. Die 18 frühmittelalterlichen Fore-Kreuze verteilen sich über etwa 10 km Straßen und Felder rund um das Dorf und markieren alte Pilgerwege. Ein 60-minütiger Audioguide (vor Ort erhältlich und als kostenloser Podcast) erläutert die mittelalterliche Stadtstruktur und die Geschichten hinter jedem Wunder, falls du den Hintergrund möchtest.
Praktische Informationen
- Eintritt und Öffnungszeiten: kostenlos, ganzjährig geöffnet. Keine Kassen, keine Zeitfenster.
- Parken: ein gut dimensionierter kostenloser Parkplatz liegt direkt am Eingang, mit einer großen Informationstafel. Im Sommer füllt er sich, also komm vor Mittag.
- Verpflegung: das Fore Abbey Coffee Shop nahe dem Eingang serviert Kaffee und hausgemachtes Gebäck.
- Barrierefreiheit: Die Wege sind uneben mit Höhenunterschieden; der Rollstuhlzugang beschränkt sich auf die großen Grasflächen nahe dem Kreuzgang. Trag festes Schuhwerk – der Boden wird matschig und die Steinstufen nach Regen glatt.
- Der Zellenschlüssel: für die Anchorite’s Cell holst du den Schlüssel im Seven Wonders Pub im Dorf.
Anreise
Mit dem Auto: von Mullingar Richtung Castlepollard fahren und der ausgeschilderten Abzweigung nach Fore folgen, etwa 35 Minuten. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Die nächsten Bahnhöfe sind Athlone und Mullingar; Bus Éireann-Linie 111 (Mullingar–Castlepollard) hält im Dorf Fore, fährt aber unregelmäßig, also prüf vorher den Fahrplan, wenn du dich darauf verlassen willst.
In der Nähe
- Belvedere House Estate and Jealous Wall – Anwesen und Gärten aus dem 18. Jahrhundert mit seiner berühmten Narrenmauer.
- Hill of Uisneach – das mythische Zentrum Irlands, mit zeremoniellen Cairns und weiten Talblicken.
- Lough Ennell und der nahe Lough Lene – Spaziergänge am See, Schwimmen und Angeln.
Plane zwei Stunden für die Runde und das Abholen des Zellenschlüssels ein, und wähle einen trockenen Vormittag: Die Wunder sind zur Hälfte Folklore, aber das Mauerwerk und das stille Tal sind der wahre Lohn.
