Überblick
Die britische Armee baute diese Straße, um einen einzigen Mann zu fassen. Nach dem Aufstand von 1798 nutzten Rebellen unter Captain Michael Dwyer die Wicklow Mountains als Deckung, und keine einzige Straße führte von Nord nach Süd durch das Gebirge. Also schlug die Armee eine: 56 km, von Rathfarnham am Südrand Dublins über das hochgelegene Moor bis nach Aghavannagh, wobei der Abzweig, den die meisten Besucher heute fahren, nach Laragh und Glendalough hinunterführt. Als militärisches Projekt ging die Rechnung auf – und zwei Jahrhunderte später ist daraus eine der schönsten Bergstraßen Irlands geworden: eine kostenlose öffentliche Straße (ausgeschildert als R115 und R759), rund um die Uhr befahrbar.
Wenn du nur einen Nachmittag hast, fahr von Rathfarnham nach Süden bis zum Sally Gap, halte am Aussichtspunkt über Lough Tay und roll weiter an Glenmacnass vorbei hinunter nach Laragh. Diese eine Strecke nimmt das Beste mit. Die komplette Runde dauert mit Stopps zwei bis drei Stunden und lässt sich gut mit Glendalough zu einem Tagesausflug verbinden.
Ein ehrlicher Hinweis vorweg: Diese Fahrt steht und fällt mit dem Wetter. An einem klaren Tag reicht der Blick kilometerweit; bei tiefen Wolken oder starkem Regen bezahlst du schmale, ungeschützte Straßen mit dem Privileg, nichts zu sehen. Wirf einen Blick auf die Vorhersage – und wenn die Gipfel im Nebel stecken, heb dir die Strecke für einen anderen Tag auf.
Geschichte & Hintergrund
Der Bau begann am 12. August 1800 und endete im Oktober 1809, unter der Leitung des Ingenieurs Alexander Taylor (geb. 1746), der einen Großteil des frühen irischen Straßennetzes anlegte. Entlang der Route entstanden vier Kasernen als Besatzung – in Glencree, Laragh, Glenmalure und Aghavannagh. Mehrere sind als Ruinen erhalten; Glencree beherbergt heute das Glencree Centre for Peace and Reconciliation. Es ist Irlands einzige eigens angelegte Militärstraße von nennenswerter Größe, und mit ihren Kasernen und der weitgehend unveränderten Linienführung gilt sie als historisches Denkmal, das zugleich weiterhin als ganz normale Straße Dienst tut – ein ungewöhnliches Doppelleben für ein Kulturerbe.
Der Abschnitt, der heute als R759 über den Sally Gap führt, folgt einem älteren Ost-West-Weg entlang des Cloghoge River. Eine höher gelegene, ungeschützte Trassenführung trug hier wegen der tückischen Bedingungen im Winter den Namen „Murderin’ Pass“ – und der Name ist geblieben.
Sehenswertes & Aktivitäten
Die folgenden Stopps liegen an Haltebuchten oder kurzen Wegen entlang der Route.
- Sally Gap – Die Kreuzung am höchsten Punkt, wo die Military Road auf die R759 trifft. Steig hier aus: Der Blick geht über Deckenmoor, Granit und Himmel, und nichts daran erinnert an die Stadt eine halbe Stunde weiter nördlich.
- Lough Tay – der „Guinness Lake“, so genannt, weil das dunkle Wasser über einem hellen Sandstrand aussieht wie ein Pint Stout. Der See liegt auf privatem Guinness-Grund, der Blick ist deshalb nur von der Straße aus möglich – zum Ufer führt kein Zugang, und du brauchst ihn auch nicht. Wenn du nur einen einzigen Stopp einlegst, dann diesen.
- P.S. I Love You Bridge – Eine kleine Steinbrücke nahe dem Sally Gap, die im gleichnamigen Film von 2007 zu sehen war. Ein kurzer Fotostopp, mehr nicht.
- Glencree – Der erste größere Stopp südlich von Dublin, mit der ehemaligen Kaserne und einem stillen deutschen Kriegsfriedhof für Seeleute und Flieger, die in den Weltkriegen vor der irischen Küste ums Leben kamen.
- Lower und Upper Lough Bray – Zwei kleine Gletscherseen, ein kurzer Abstecher nördlich von Glencree, eingebettet unter heidebewachsenen Hängen.
- Lough Dan – Von der Straße aus zu sehen. Der See und sein Ufer sind Privatbesitz, öffentlichen Zugang gibt es nicht.
- Glenmacnass Waterfall – Ein Wasserfall, der wenige Kilometer westlich des Passes über die Felswand stürzt, mit kleinem Parkplatz an der Straße und einem bequemen Blick von oben. Achte auf dem nassen Fels oberhalb der Fälle auf deine Schritte; hier sind schon Menschen zu Schaden gekommen.
- Glendalough – Die Straße fällt nach Laragh ab, dem Tor zur Klostersiedlung aus dem 6. Jahrhundert mit ihrem Rundturm, den Kirchenruinen und zwei Seen.
- Powerscourt Estate – Liegt nicht an der Route, aber nur einen Katzensprung von Enniskerry entfernt: Irlands höchster Wasserfall und die formalen Gärten, falls du den Tag voller packen willst.
Spaziergänge & Wanderungen
Die Straße ist ein praktischer Ausgangspunkt für Bergwanderungen:
- Djouce Mountain – Vom Parkplatz JB Malone nahe dem Sally Gap hinauf zum 724 m hohen Gipfel, mit Gratwanderung und weiten Blicken über das Gebirge.
- Djouce und White Hill – Eine Gratwanderung auf dem Wicklow Way mit dem besten öffentlich zugänglichen Blick über Lough Tay.
- Lough Ouler – Ab dem Parkplatz Glenmacnass, eine moorige 12-km-Tour hin und zurück zu einem abgelegenen Karsee. Feste Schuhe, keine Turnschuhe.
- Ballinastoe Woods – Ein sanfterer Waldspaziergang am nördlichen Ende, gut für Familien.
Radfahren
Die Sally-Gap-Runde (rund 26 km auf der Military Road und der R759) ist eine ernsthafte Tour – steile Rampen, ungeschützter Wind und unübersichtliche Kurven, dazu im Winter echte Glatteisgefahr. Helm, Warnweste und ein Blick aufs Wetter, bevor du losfährst. Hunde sind auf der Straße erlaubt, müssen aber an der Leine bleiben.
Essen & Trinken
Auf dem Bergabschnitt selbst gibt es nichts, plane also vor:
- Wicklow Heather (Laragh) – Warme Küche und Getränke, praktisch am südlichen Ende und günstig für Glendalough gelegen.
- Coach House (Roundwood) – Deftige Gerichte und im Winter ein Kaminfeuer, an der Ostseite der Runde.
Pack Regenkleidung und etwas zu essen ein, und verlass dich nicht auf dein Handy – über dem Moor bricht der Empfang weg.
Praktische Informationen
- Öffnungszeiten: Rund um die Uhr geöffnet. Bei extremem Winterwetter gelegentlich gesperrt.
- Eintritt: Kostenlos (an manchen Stopps können Parkgebühren anfallen).
- Parken: Informelle Ausweich- und Haltebuchten entlang der Strecke; auf dem Bergabschnitt gibt es keine offiziellen Parkplätze. Am Aussichtspunkt Lough Tay ist am Straßenrand nur Platz für acht bis zehn Autos, und an Sommerwochenenden ist er früh voll – sei vor 10 Uhr da oder rechne damit, noch einmal umdrehen zu müssen.
- Straßenzustand: Asphaltiert, aber schmal, mit Gegenverkehr, unübersichtlichen Kurven und dem einen oder anderen Schaf auf der Fahrbahn. Über das Auto hinaus nicht rollstuhlgerecht.
- Reisen im Winter: Schnee und Eis können den Pass sperren. Prüfe vor der Fahrt Met Éireann und die Hinweisschilder vor Ort.
- Anfahrt: Praktisch geht es nur mit dem Auto; öffentliche Verkehrsmittel fahren den Sally Gap nicht an. Busse erreichen Rathfarnham und Laragh an den beiden Enden.
- Geführte Touren: Tagestouren ab Dublin starten meist bei etwa 40 € und verbinden die Fahrt mit Glendalough.
- Einrichtungen: Am Pass keine. Die nächsten Toiletten und Serviceangebote gibt es in Glendalough, Roundwood oder Laragh.
- Hundefreundlich: Hunde sind auf der Straße und auf den Wegen willkommen, im Nationalpark an der Leine.
Tipp: Am schönsten ist das Morgenlicht, denn die Straße liegt zur aufgehenden Sonne und die Farben des Moors kommen früh zur Geltung. Kommst du nach ein paar Regentagen, wird aus Glenmacnass statt eines Rinnsals ein Tosen; in einer Trockenperiode bleibt eine bescheidene Stufe.