Überblick
Der Wicklow Gap trägt die R756 in 475 Metern Höhe über die Berge und zählt damit zu den höchsten asphaltierten Pässen Irlands – der höchste in Wicklow ist er allerdings nicht, denn die Straße über den Sally Gap weiter nördlich liegt noch höher. Der Pass öffnet sich zwischen Tonelagee im Nordosten und Turlough Hill und Camaderry im Süden; die Straße zieht sich durch offenes Moor und felsiges Gelände, mit weiten Blicken über die umliegenden Gipfel. An klaren Tagen reicht der Blick nach Osten bis zur Irischen See.
Eine alte Straße nach Westen
Lange bevor sie eine Nummer bekam, war dies einer der wichtigsten Wege über das Gebirge. Die 26 km lange Strecke von Hollywood nach Laragh ist bis heute eine von nur zwei Straßen, die die Wicklow Mountains von Ost nach West queren – die andere ist die höher gelegene Route über den Sally Gap. Sie folgt außerdem einem Teilstück von St Kevin’s Way, jenem Pilgerweg, auf dem die Gläubigen einst westwärts über die Berge zur Klosterstadt Glendalough zogen.
Zu beiden Seiten liegen Ginster und Heidekraut, kaum ein Baum: offenes Land, jedem Wetter ausgesetzt. Am schönsten ist es im Spätsommer, wenn die Heide die Hänge färbt, am unwirtlichsten im Seitenwind des Winters.
Der Anstieg mit dem Rad
Unter Rennradfahrern gilt der Wicklow Gap als Initiationsritus. Der Anstieg von der Seite von Glendalough ist nach der Einstufung der Tour de France ein Berg der Kategorie 3: eher gleichmäßig als brutal, weshalb er so oft auf Trainingsrunden auftaucht. Der Belag ist gut, stellenweise aber schmal – achte oben also auf den Gegenverkehr, und nimm die Abfahrt ernst: Die Kurven können feucht oder mit Splitt bedeckt sein, und der Seitenwind ist nicht zu unterschätzen.
Wanderungen ab dem Pass

Der Gap ist ein Wegpunkt auf St Kevin’s Way, und von der Passhöhe aus können Wandernde in zwei Richtungen abzweigen:
- Nordöstlich zum Tonelagee – ein mittelschwerer Anstieg, mit dem herzförmigen Lough Ouler, der weiter unten in der Flanke liegt.
- Südlich zum Turlough Hill – ein Weg hinauf zum Speichersee auf dem Gipfel, an dem Irlands einziges Pumpspeicherkraftwerk liegt.
Spuren des Bergbaus
Rund um den Gap wurde von 1798 bis zur Schließung der letzten Gruben 1963 Blei abgebaut. Die Ruinen lassen sich von der Straße und vom Talboden aus noch heute lesen – dachlose Gebäude, Abraumhalden und die dunklen Öffnungen alter Stollen. Während der Bergbaujahre wurde das Tal von Glendalough zudem großflächig mit Nadelbäumen aufgeforstet, weshalb es heute so bewaldet ist.
Praktische Informationen
Anfahrt
- Mit dem Auto – Auf die R756 kommst du von der N81 her bei Hollywood (Westen) oder von Glendalough und Laragh aus (Osten). Sie ist durchgehend asphaltiert, das Stück an der Passhöhe allerdings schmal.
- Mit dem Rad – Die R756 ist der übliche Anstieg; an der Haltebucht auf der Passhöhe gibt es einen Fahrradständer.
- Zu Fuß – St Kevin’s Way quert den Pass.
- Öffentliche Verkehrsmittel – Zum Gap selbst fährt kein Bus. Glendalough ist der nächste Knotenpunkt, erreichbar mit Local Link und privaten Shuttles; von dort geht es zu Fuß oder mit dem Rad hinauf.
Parken
Entlang des Passes liegen ein paar kleine Haltebuchten. Sie sind kostenlos, an schönen Wochenenden aber schnell belegt. Größere Parkplätze gibt es am Upper Lake, in Laragh und am Glendalough Visitor Centre, wo in der Saison Gebühren anfallen können.
Eintritt und Hunde
Der Pass ist kostenlos und ganzjährig zugänglich, er liegt im Wicklow Mountains National Park. Hunde sind auf der Straße und den Wegen willkommen, müssen aber an der Leine bleiben, um Bodenbrüter und weidende Schafe zu schützen.
Beste Reisezeit
Schnee und Eis können die Passhöhe im Winter gefährlich machen – informiere dich vor der Fahrt über die Bedingungen. An Frühlingsmorgen zieht oft Nebel auf, der die Aussicht komplett verschluckt. An klaren Tagen solltest du vor der Mittagszeit da sein: Die Haltebuchten füllen sich rasch, und das Licht ist früh am schönsten.
