Überblick
Glendun ist das tiefste der neun Glens of Antrim – und das braunste: Der River Dun, der es geformt hat, führt Wasser in der Farbe von kräftigem Tee, gefärbt von den Torfmooren an den oberen Hängen des Slieveanorra. Genau das bedeutet auch sein irischer Name Gleann Abhann Duinne: „Tal des braunen Flusses“. Das steilwandige, von eiszeitlichen Gletschern ausgeschürfte U-Tal fällt zwischen dem Küstendorf Cushendun und dem stillen Weiler Knocknacarry zum Atlantik hin ab – und liegt vollständig im Gebiet von außergewöhnlicher natürlicher Schönheit Antrim Coast and Glens. Es ist außerdem das ruhige unter den Tälern: Während sich in den südlichen Glens die Reisebusse drängen, bekommt Glendun die einspurige Straße und die Einsamkeit.
Das Glendun Viaduct
Auffälligstes Bauwerk des Tals ist das dreibogige steinerne Glendun Viaduct, von den Einheimischen liebevoll the Big Bridge genannt. Es entstand zwischen 1834 und 1839 als wichtiger Baustein des größeren Küstenstraßenprojekts, das Ballycastle mit Ballymena verbinden sollte. Entworfen hat es der Bauingenieur William Bald, als Vermesser wirkte Sir Charles Lanyon mit. Baumeister Mr Bowells aus County Monaghan brach mit Handwerkern aus County Donegal den Stein an den Klippen von Layde, verschiffte ihn nach Cushendun und ließ ihn das Tal hinaufkarren.
Nach der Fertigstellung wurde das Viadukt in das örtliche Straßennetz eingebunden und trägt seither den Verkehr über den River Dun. Denkmalpflegerische Maßnahmen, gefördert durch Heritage-Zuschüsse und Initiativen aus der Gemeinde, haben die steinernen Bögen in ausgezeichnetem Zustand gehalten. Am schönsten siehst du die Brücke von der Talstraße aus, wo du langsamer fahren und die Dimensionen des Bauwerks vor den Talflanken auf dich wirken lassen kannst.
Wandern und das Tal erkunden
Anders als in den stärker frequentierten südlichen Glens spürst du in Glendun Wildheit und Ruhe. Markierte Wanderwege gibt es nicht, doch die schmale, einspurige Talstraße erschließt das Gebiet gut für alle, die lieber zu Fuß unterwegs sind. Beliebte Runden folgen dem River Dun flussaufwärts durch Mischwälder aus Eichen und Kiefern, wo sich im Frühjahr Hasenglöckchen und Bärlauch über den Waldboden legen.
Für längere Touren ziehen Pfade von der Talsohle hinauf zum Hochmoorland des Slieveanorra – rund 8 bis 10 Kilometer hin und zurück. In den höheren Lagen wird das Gelände rau und ungeschützt, dafür öffnen sich weite Blicke über den Atlantik und die Nachbartäler. Bei der Orientierung ist Sorgfalt gefragt: Im Talgrund ist der Handyempfang lückenhaft, deshalb solltest du OS-Karten im Maßstab 1:50.000 (Blätter 5 und 9) mitnehmen oder dir vorab Offline-GPS-Tracks herunterladen. Zum Fotografieren sind die frühen Morgenstunden ideal, wenn der Nebel oft über dem Fluss hängt und das Viadukt das flache Licht einfängt.
Geschichte und lokale Überlieferungen
Die Geschichte des Tals reicht Jahrhunderte zurück und wurde von irischen Familien ebenso geprägt wie von schottischen Siedlern von den Hebriden. Auch in einem entscheidenden Konflikt des 16. Jahrhunderts spielte das Tal eine Rolle. Im späten 16. Jahrhundert nutzte Sorley Boy McDonnell das abgeschiedene, moorige Gelände des Tals für einen nächtlichen Hinterhalt auf eine englische Reitertruppe in der Schlacht von Orra. Die englischen Soldaten blieben im Sumpfboden stecken und wurden geschlagen, mehrere Befehlshaber kamen dabei ums Leben.
Ein stilleres, düsteres Kapitel der Ortsgeschichte findet sich nahe den unteren Waldstücken von Craigagh Wood, wo ein kleiner Gottesdienstplatz aus der Penal era erhalten ist – jener Zeit der Penal Laws, der antikatholischen Strafgesetze. Er stammt aus dem 17. Jahrhundert und erinnert an die heimlichen Glaubenspraktiken der Katholiken, als offene Gottesdienste verboten waren. Steinmauern, verfallene Cottages und stille Feldwege zeugen bis heute von Generationen bäuerlichen Lebens, die diese Landschaft geformt haben.
Tierwelt und Natur
Im torfbraunen River Dun leben gesunde Bestände an Lachs und Meerforelle, was ihn zu einem beliebten Revier für ruhiges Angeln macht. Catch and Release wird ausdrücklich empfohlen, um die Laichwanderungen zu schützen. Wer gern Vögel beobachtet, findet in den Mischwäldern und an den Flussufern des Tals eine reiche Auswahl: Wasseramseln, Waldbaumläufer, Eichelhäher, Gartenrotschwänze und gelegentlich Goldregenpfeifer. Im Herbst färbt sich das Blätterdach bernsteingelb und karminrot, im Winter liegt eine schwermütige, atmosphärische Stimmung über den oberen Hängen.
Praktische Informationen
- Anfahrt und Straßen: Durch das Tal führt die örtliche Glendun Road, Teil der Glendun / Glenaan Scenic Route. Diese 18 Meilen lange Rundstrecke spart rund 4 Meilen gegenüber der Hauptküstenstraße durch Glencorp. Die Straße durch Glendun ist einspurig, eng und wird auch von Landmaschinen und Vieh genutzt. Für Wohnmobile, Kleinbusse oder große Reisebusse ist sie nicht geeignet. Zum sicheren Ausweichen sind die Ausweichbuchten am Barnish lay-by und nahe dem Viadukt unverzichtbar.
- Parken: Kostenlose Parkplätze gibt es am Dorfparkplatz von Cushendun, an der Haltebucht nahe dem Viadukt und am Barnish lay-by zwischen Cushendall und Cushendun.
- Einrichtungen: Öffentliche Toiletten und Touristeninformation findest du in Cushendun. Cafés und Pubs vor Ort servieren Tee, Kaffee und traditionelle Gerichte.
- Hunde: Gut erzogene Hunde sind auf allen Wegen und Pfaden willkommen. In der Nähe von Vieh gehören sie an die Leine, und auf den schmalen Straßenabschnitten ist Vorsicht geboten, weil dort plötzlich Fahrzeuge auftauchen können.
- Beste Reisezeit: Vom späten Frühjahr bis zum Frühherbst sind Wetter und Laub am verlässlichsten. Ein Besuch im Winter ist möglich, erfordert wegen vereister Stellen und kürzerer Tage aber festes Schuhwerk und wettertaugliche Kleidung.
