Überblick
Moll’s Gap ist Aussichtspunkt und Café zugleich, gelegen an der N71 hoch oben auf dem Pass zwischen Killarney und Kenmare im County Kerry. Der Ort gehört zu den klassischen Stopps am Ring of Kerry, und man sollte gleich ehrlich sein: Beim ersten Besuch kann das Ganze etwas ernüchternd wirken, eher Haltebucht mit Aussicht als große Sehenswürdigkeit. Nimm es als das, was es ist – 20 Minuten Beine vertreten, ein Kaffee und ein Foto von den MacGillycuddy’s Reeks – und der Halt lohnt sich durchaus. Es gibt weder Absperrungen noch Eintritt, nur einen Parkplatz, einen Avoca-Shop und eines der verlässlichsten Panoramen der Grafschaft.

Ein Name mit Geschichte
Benannt ist der Pass nach Moll Kissane, einer ortsansässigen Wirtin. Der Überlieferung nach betrieb sie eine einfache Schwarzschenke für die Arbeiter, die in den 1820er-Jahren die Straße von Killarney nach Kenmare bauten, und brannte ihren eigenen Poitín, um sie durch die nassen Bergwinter zu bringen. Die Kneipe ist längst verschwunden, der Name blieb und stand in den 1840er-Jahren bereits auf den Karten der Ordnance Survey. Auch die Verbindung zur Familie Kissane lebt in der Nachbarschaft fort: Auf der Kissane Sheep Farm, geführt von einem Nachfahren, John Kissane, gibt es Vorführungen mit Hütehunden, und wer ein Lamm adoptiert hat, darf beim Füttern mithelfen – für Kinder die bessere Stunde als der Aussichtspunkt selbst.
Landschaft & Aussicht
Der Pass verläuft über einen Bergrücken, der die Iveragh-Halbinsel teilt, und eröffnet dadurch Sichtachsen in mehrere Richtungen: die zerklüfteten Reeks im Norden, der Upper Lake und das bewaldete Black Valley im Süden. Ladies View, ein weiterer bekannter Aussichtspunkt Richtung Killarney, liegt ganz in der Nähe.
Auch der Fels unter den Füßen verdient einen zweiten Blick. Moll’s Gap ist ein glazialer Durchbruch, vor rund 25.000 Jahren von einem etwa 500 Meter mächtigen Gletscher ausgeschürft, der aus dem Black Valley heraufdrängte. Das Gestein ist Old Red Sandstone, hier allerdings durch Chlorit grüngrau verfärbt statt im üblichen Rot – eine kleine Merkwürdigkeit, an der die meisten achtlos vorbeigehen. In dieser Höhe schlägt das Wetter schnell um: eben noch senkt sich Nebel über die Täler, im nächsten Moment zeichnet die Sonne die Grate nach.
Was du am Pass unternehmen kannst
- Fotografie: Die gestaffelte Bergkulisse ist der Grund, warum die meisten hier anhalten. Frühmorgens oder am späten Nachmittag arbeitet das Licht die Struktur des Gesteins heraus und wirft lange Schatten über die Täler, und niedrige Steinmauern geben einen brauchbaren Vordergrund ab.
- Radfahren & Wandern: Der Anstieg ist ein Klassiker auf den Radrouten der Gegend, mit gleichmäßigen Steigungen und weiter Sicht, und der Pass dient außerdem als Etappe der Killarney Historic Rally. Vom Parkplatz führen unbefestigte Pfade Richtung Rand des Killarney National Park; der Untergrund ist uneben und kann matschig sein, also festes Schuhwerk anziehen.
- Avoca Handweavers: Direkt gegenüber dem Parkplatz sind Shop und Café von Avoca eine wirklich gute Pause, mit handgewebten Textilien und regionalen Lebensmitteln sowie Kaffee, kleinen Gerichten und Kuchen. Im Sommer öffnet das Café in der Regel um 9:30 Uhr und schließt um 18:00 Uhr; im Winter sind die Zeiten kürzer, außerhalb der Saison also besser vorher nachfragen.
Praktische Informationen
Moll’s Gap liegt an der N71, rund 30 Fahrminuten von Killarney und 10 Minuten von Kenmare entfernt. Die Straße ist schmal, mit engen Kurven und steilen Abschnitten – für einen normalen Pkw und geübte Fahrerinnen und Fahrer kein Problem, mit Wohnmobil oder Reisebus dagegen mühsam.
Parken & Sicherheit
Direkt gegenüber dem Avoca-Café gibt es einen kostenlosen Parkplatz, auch wenn hin und wieder von einer kleinen saisonalen Gebühr berichtet wird – etwas Kleingeld schadet also nicht. An Sommerwochenenden ist er schnell voll, komm also früh oder unter der Woche. Wirklich aufpassen solltest du wegen der Lage: Der Parkplatz liegt in einer engen Kurve nahe einer Einmündung, sei beim Überqueren der Straße zum Aussichtspunkt also entsprechend vorsichtig. Der Belag der N71 wird bei Nässe rutschig, und Motorradfahrende sollten die Kurven mit Respekt behandeln.
Öffnungszeiten & Eintritt
Der Aussichtspunkt liegt im Freien, ist ganzjährig zugänglich und kostet keinen Eintritt. Café und Shop haben eigene Zeiten, im Sommer etwa 9:30–18:00 Uhr, im Winter verkürzt.
Anreise
- Mit dem Auto: Auf der N71 von Killarney Richtung Kenmare; die Schilder zum Moll’s Gap tauchen schon lange vor der Passhöhe auf.
- Mit dem Rad: Bei Radfahrenden beliebt. Der Anstieg zieht sich, ist aber nicht brutal; die Abfahrt verlangt auf den schmalen Straßen und in den unübersichtlichen Kurven vorsichtiges Bremsen.
- Öffentliche Verkehrsmittel: Zwischen Killarney und Kenmare fahren Busse, sie halten aber nicht am Pass. Ohne Auto oder Rad bleibt nur das Taxi.
- Geführte Touren: Die meisten Bustouren rund um den Ring of Kerry planen hier einen Halt ein, meist 20 bis 30 Minuten für Fotos und Café.
Beste Reisezeit
Im Sommer ist der Himmel am klarsten, dafür ist der Busverkehr am dichtesten. Mai und September halten die Balance besser: passables Wetter, ruhigere Straßen. Am schönsten ist ein Morgen im Frühjahr oder Herbst – klar, gut ausgeleuchtet, fast menschenleer.
Barrierefreiheit
Aussichtspunkt und Parkplatz liegen auf unebenem Grund, die wichtigsten Aussichtsbereiche sind nur eingeschränkt mit dem Rollstuhl zugänglich. Die weiterführenden Wege sind unbefestigt und eher etwas für Wanderfreudige mit festen Schuhen.
Stopps in der Umgebung
Wer keine Eile hat, findet in Reichweite jede Menge. Richtung Killarney liegen der tosende Torc Waterfall und Ross Castle; weiter auf dem Ring warten Muckross Abbey und die Wege des Killarney National Park. Kenmare, zehn Minuten die Straße hinunter, hat inhabergeführte Läden und Restaurants und im Brewhouse ein gutes Pint oder einen guten Kaffee.
Moll’s Gap braucht nicht lange, um seine Wirkung zu entfalten. Zwanzig Minuten genügen, um die Beine zu vertreten, einen Kaffee zu trinken und den Bergblick mitzunehmen – dann kann es weitergehen. Wer den ganzen Ring of Kerry fährt, kommt am besten früh, um den Reisebussen zuvorzukommen und einen Platz nahe am Aussichtspunkt zu bekommen.
